Warum faule Eltern pädagogisch wertvoll sind!


faule Eltern

Meine Tochter, 4 Jahre, spielt auf dem Spielplatz mit einem gleichaltrigen Mädchen. Die beiden toben auf einem Klettergerüst herum, während ich mit dem kleinen Bruder im Kinderwagen und der anderen Mutter auf der Bank sitze und einen Plausch halte. Es ist nett, gemütlich. Endlich habe ich an diesem Tag mal 5 Minuten für mich. Da geht plötzlich das Geschrei auf dem Klettergerüst los. „Mamaaaaaaa! Die P. hat mich beim Klettern einfach weggedrängelt!“ Ich stöhne innerlich. Normalerweise würde ich jetzt darauf eingehen und die Sache klären, aber heute bin ich zu faul dazu! „Dann kläre das bitte mit ihr und sag ihr, was Dir nicht gefällt!“, brülle ich über den Platz. P.´s Mama wirft mir einen erstaunten Blick zu. Ich ignoriere ihn. Wir unterhalten uns weiter.

„Mamaaaaaa! P. ärgert mich schon wieder!“ „Zicklein, dann kläre das mit ihr oder findet eine andere Lösung. Ich unterhalte mich!“

P.´s Mutter steht auf: „Also ich gehe da jetzt mal hin!“ Es folgt eine 5 Minütige Verhörung der beiden Mädels, die sich jeweils gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Schon nach 1 Minute haben sie abgeschaltet und auf Durchzug gestellt, während P.´s Mutter immer wieder nachhakt. Es bleibt dabei, die beiden wollen sich nicht vertragen, also beschließt P.´s Mutter, dass sie dann eben nicht mehr zusammen spielen können. Jede verzieht sich in eine Ecke des Spielplatzes. Nach 2 Minuten wird es ihnen zu langweilig und sie spielen wieder, als wäre nie etwas gewesen!

Was ich an diesem Tag gelernt habe: in der Erziehung ist weniger fast IMMER mehr! Kinder können vieles alleine und viel besser regeln, als Erwachsene. Eltern traut Euren Kindern etwas zu und gebt so viel Verantwortung wie möglich ab! Seid so faul Ihr könnt, Eure Kinder werden davon profitieren!

Bevor ich meine Kinder bekam hätte ich nie gedacht wie anstrengend es manchmal ist Eltern zu sein! Das es nicht nur ein Zuckerschlecken ist, dass war mir schon klar. Aber WIE anstrengend es manchmal wirklich sein kann, dass hätte ich so nicht erwartet!

Von Wutanfällen, Schlafmangel, zerstörten, chaotischen und vollgeschmierten Kinder- und Wohnzimmern können wohl alle Eltern einen Evergreen singen. Das ist anstrengend und nervenzehrend. Dabei kann man sich vieles davon mit ein paar einfachen Tricks ersparen!

Viele Tricks habe ich erst mit der Geburt des Böckchens, also meinem zweiten Kind, entdeckt, denn auf einmal musste der gesamte Tagesablauf neu strukturiert werden und das Zicklein mit ihren – noch – 3 Jahren, auf einen Schlag mehr Verantwortung übernehmen. Und das war gut so!

Die Reformpädagogin Maria Montessori ist wohl am bekanntesten durch den genialen Satz: „Hilf mir es selbst zu tun!“ Dieser Satz ist deswegen so genial, weil er als Grundgedanke jeglicher Pädagogik gesehen werden kann und in allen Lebensbereichen von Kindern Berücksichtigung finden sollte! Eltern, helft Euren Kindern Dinge selbst zu tun! Damit unterstützt Ihr die Selbstständigkeit, das Lernen und das Selbstbewusstsein Eurer Kinder nachhaltig!

Hier gibt es 5 Anregungen für Euch, die man von faulen Eltern lernen kann!

1) Faule Eltern sorgen für eine vorbereitete Umgebung

Maria Montessori plädierte bereits auf eine „vorbereitete Umgebung“, die den Kindern dabei hilft, selbstständig zu agieren.

Im praktischen Sinne heißt das: die Möbel und Inhalte sollten auf die kindlichen Bedürfnisse und Maße abgestimmt sein. Am besten achtet Ihr schon bei der Einrichtung darauf, dass Eure Kinder möglichst alles selbstständig erreichen.

Im Klartext also:

  • achtet auf niedrige Schränke und Regale, so dass Eure Kinder selbstständig an ihr Spielzeug kommen
  • achtete darauf, dass sich Türen und Schubfächer für Spielzeug leicht öffnen lassen und einen Klemmschutz haben
  • packt möglichst viel Spielzeug in Kisten, Kartons und Körbe, so dass die Kinder es beim Aufräumen leicht haben, alles zu verstauen. Super sind hier z.B. die Würfelregale vom Möbelschweden mit den passenden Boxen dazu. Hier können Spielsachen, wie Bausteine und Playmobil, einfach hineingeworfen werden und trotzdem sieht´s am Ende ordentlich aus im Kinderzimmer
  • Jedes Teil hat seinen Platz! Das hört sich zwar selbstverständlich an, aber oft klappt das in der Praxis nicht einfach so. Gerade Kindern hilft eine solche Ordnung aber ungemein dabei, sich zu orientieren und selbstständig zu agieren. Deswegen sollte sowohl im Kinderzimmer, als auch bei allen anderen Gegenständen, die von Kindern regelmäßig genutzt werden (z.B. Zahnbürste, Kamm, Kinderbesteck etc.) darauf geachtet werden, dass sie einen festen Platz haben, der für die Kinder gut erreichbar und logisch ist (z.B. Puppen ins Puppenbett, Autos in die Garage etc.)

Sind diese Grundlagen erst einmal geschaffen, können sogar kleinere Kinder auch mal ein paar Minuten alleine spielen, ohne das Mama und Papa ständig bei irgendetwas helfen müssen. Und auch das Aufräumen klappt schneller und besser. Ich habe in meiner Erzieherausbildung mal gelernt, dass Kinder noch im Grundschulalter Hilfe beim Aufräumen benötigen. Das Zicklein räumte ihr Zimmer schon mit 3 Jahren alleine auf und macht das bis heute top! Denn sie weiß genau, wo alles hinkommt und kommt überall alleine ran.  Ist das Chaos allzu groß, helfe ich ihr, in dem ich ihr einen Plan vorgebe wie: „Räum erst einmal das Playmobil im ganzen Zimmer weg!“ Ist das geschehen, kommt der nächste Schritt. In der Zwischenzeit kann ich den Geschirrspüler ausräumen, den Müll rausbringen, kochen oder einfach faulenzen 😉

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2) Faule Eltern lassen zu, dass ihre Kinder sich langweilen, denn Langeweile ist der beste Freund der Kreativität!

Wenn Ihr an Eure Kindheit zurückdenkt, kommen Euch dann Bilder in den Kopf, in denen Ihr gelangweilt auf der Couch gesessen habt und nichts mit Euch anzufangen wusstet? Also mir nicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir in meiner Freizeit als Kind jemals langweilig gewesen wäre und das, obwohl meine Eltern nicht ständig mit mir gespielt haben. Und mit Freizeit meine ich wirklich freie Zeit, in der ich tun und lassen konnte, was ich wollte! Heute ist es ja immer öfter so, dass Kinder, selbst im Kindergartenalter, gar nicht mehr so viel Freizeit haben. Meist sind sie den ganzen Tag in der Kita oder der Schule und haben danach noch Basketballtraining, Reitstunden oder Hausaufgaben. Kein Wunder, dass viele Kinder in ihrer Freizeit plötzlich nichts mehr mit sich anzufangen wissen!

Obwohl das Zicklein nach der Kita keine weiteren Verpflichtungen mehr hat, geht es ihr ähnlich. Mindestens drei mal pro Woche höre ich von ihr „Mama was soll ich machen? Mir ist so langweilig!“ Anfangs machte ich ihr gefühlt 100 Vorschläge, von denen eh keiner passte, denn darauf war sie auch schon alleine gekommen. Also hörte ich damit auf und siehe da, nachdem sie 10 Minuten auf der Couch verweilt, wird es ihr zu doof und sie geht in ihr Zimmer oder in den Garten und plötzlich sehen wir sie erst zum Abendessen wieder! Ich gehe dann ja immer gerne mal Schmulen und finde sie jedes Mal in einem tollen und kreativen Spiel vor, in dem sie voll aufgeht.

3) Faule Eltern laden andere Kinder ein, die den Nachwuchs bespaßen und mischen sich nicht ein!

Vielleicht ist es Euch schon aufgefallen, aber wir haben hier regelmäßigen Kinderbesuch oder schicken das Zicklein zu Freunden zum Spielen. Für uns ist das jedes Mal wieder eine win-win-Situation, denn das Zicklein spielt einfach am liebsten mit Gleichaltrigen und wir haben so mehr Zeit für andere Dinge. Allerdings nur, wenn wir nicht bei jedem kleinen Streit gleich intervenieren und irgendwelche Vorgaben machen! Denn in den meisten Fällen bringt die Einmischung der Eltern herzlich wenig und verkompliziert die Lage nur, da man den Streit automatisch auf ein Erwachsenenniveau hebt. Und wie sollten unsere Kinder besser lernen mit Konflikten klar zu kommen, als im Konflikt selbst?

Daher gilt für faule Eltern: Einmischen nur im Notfall! Alles andere können, auch schon kleine Kinder, alleine regeln!

faulenzen

4) Faule Eltern gehen davon aus, dass ihre Kinder das alleine können!

Im letzten Jahr besuchten wir hier in der Gegend ein Fest mit dem Zicklein. Es war tolles Wetter und das gesamte Gelände rammelvoll. Auf dem umzäunten Gelände stand ein Eiswagen, wir saßen genau auf der anderen Seite auf dem Spielplatz. Das Zicklein und ihre Freundin wollten ein Eis. Kein Problem, allerdings hatte ich keine Lust mich in die ewig lange Schlange einzureihen. Also hieß es, wenn ihr ein Eis wollt, dann holt es Euch selber. Ich drückte den Kindern passendes Kleingeld in die Hand. Das Zicklein, damals knapp 4 Jahre, stürmte los, ihre Freundin, 1 Jahr älter, trottete langsam hinterher. Da sprang ihre Mama auf und begleitete sie. Am Ende stand die Mama mit dem Zicklein alleine in der Schlange.

Solche Situationen hatten wir schon öfter. Ich beobachte häufig, wie Kindern Aufgaben abgenommen werden, die sie wunderbar alleine bewältigen könnten. Meist fragen diese Kinder nicht mal nach Hilfe, bevor ihnen die „Last“ durch Mama und Papa abgenommen wird. Und ich will hier gar nicht behaupten, dass ich das nicht auch schon mal gemacht hätte! Allein aus Zeitgründen neigt man ja oft dazu, Dinge lieber schnell selber zu erledigen. Doch seit das Böckchen auf der Welt ist, habe ich gelernt, meinem inneren Impuls etwas selbst zu tun nicht mehr so schnell nachzugeben. Denn oft konnte ich nicht sofort helfen, wenn das Zicklein mich darum bat, weil ich gerade mit dem Kleinen beschäftigt war. Und in 98% der Fälle, hat das Zicklein die Situation dann plötzlich alleine meistern können. Auch solche Dinge, wie sich mit 4 Jahren alleine ein Eis zu kaufen, sich mit 2 Jahren alleine ihr Brot zu schmieren oder ihre CD´s alleine zu wechseln. Hier kommen wir wieder zum Punkt der Vorbereiteten Umgebung. Wenn wir für die nötigen Rahmenbedingungen sorgen (zB dass sie beim Eisholen nicht alleine über eine stark befahrene Straße müssen, sie stumpfes Kinderbesteck zum Schmieren haben oder wir einen Aufkleber auf das Play-Zeichen vom CD-Spieler kleben), können Kinder einen Großteil des Tagesablaufs alleine erledigen und sind auch noch stolz darauf!

Mein Grundsatz lautet daher: Wenn die Kinder etwas wollen, immer erst einmal die Arme verschränken und nach Möglichkeiten suchen, wie sie es alleine hinbekommen. 

 

5) Faule Eltern lassen zu, dass ihren Kindern etwas passiert!

Ich finde, Dorie, der kleine blaue Doktorfisch aus dem Disneyfilm „Findet Nemo“, hat es wunderbar auf den Punkt gebracht:

„Du kannst doch nicht zulassen, dass ihm nie etwas passiert. Dann passiert ihm doch nie etwas!“

Ein Leben ohne Risiken ist ein Leben in einem Plastikball! Kinder haben ein Recht darauf, die Welt zu entdecken und gewisse Risiken einzugehen. Sie brauchen es für ihre gesunde Entwicklung und können Grenzen nur wahrnehmen, wenn sie bis an ihre Grenzen gehen dürfen!

Der Reformpädagoge Janusz Koczak hat es wie folgt formuliert: „Das Kind hat das Recht auf seinen eigenen Tod!“ Will heißen, dass Kinder nur lernen können, wenn sie eigene Erfahrungen machen dürfen. Positive wie negative! Wir können unsere Kinder nicht vor allem Unglück bewahren und das würde ihnen auch nicht guttun!

In der Praxis heißt das, Eltern sollten lernen wegzugucken, wenn das Kind auf Bäume klettert oder sich mit einem anderen Kind im Sandkasten fetzt! Meist werden die Kinder durch die Einmischung der Eltern überhaupt erst verunsichert und scheitern dann, obwohl sie es anders vielleicht geschafft hätten. Oder auch nicht, aber dann hätten sie selber gemerkt, woran genau sie gescheitert sind und könnten es beim nächsten Mal besser machen. Mischen sich die Eltern ein, sind sie am Willen ihrer Eltern gescheitert und das frustriert.

Natürlich soll das jetzt nicht heißen, dass Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht mehr nachkommen müssen. Aber man sollte abwägen, ob das Risiko wirklich so groß ist, wie es zunächst scheint. Was ist eine Beule oder eine Abschürfung im Vergleich zu dem tollen Gefühl etwas Unglaubliches geschafft zu haben!? Wie oft sind Eure Kinder schon hingefallen und haben es trotzdem noch einmal versucht!

Faule Eltern lassen ihre Kinder den Geschirrspüler ausräumen und greifen erste ein, wenn Scherben am Boden liegen. Sie gehen das Risko eines zerbrochenen Tellers ein und gewinnen damit selbstständigere und selbstbewusstere Kinder!

Ich finde, als Eltern macht man sich oft Stress, wo eigentlich keiner sein müsste! Und da nehme ich mich nicht raus! Aber ich habe durch die Geburt meines zweiten Kindes gelernt, Prioritäten in der Erziehung zu setzten und gemerkt, dass sowohl das Zicklein als auch das Böckchen ungemein davon profitieren, dass ich mittlerweile vieles lockerer sehe. Und darauf möchte ich zukünftig noch bewusster achten und mich öfter mal zurücklehnen und die Selbstständigkeit meiner Kinder genießen 🙂

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Wie seht Ihr das? Was bewundert Ihr an faulen Eltern? Oder habt Ihr eine andere Meinung dazu? Wie handhabt Ihr das im Alltag?

Da ich finde, dass es zu diesem Thema noch sehr viel mehr zu sagen gibt, was den Rahmen hier aber gesprengt hätte, habe ich beschlossen aus dem Thema „Faule Eltern“ eine Blogreihe zu machen, in der ich mich immer wieder ein Stück weiter damit befasse 🙂 Passend dazu findet Ihr dort dann z.B. auch meinen Artikel „Ein Plädoyer für das Mittelmaß„, der sich mit dem sogenannten Förderwahn auseinandersetzt.

Ihr habt auch eine Idee für einen Blogpost, der für „Faule Eltern“ interessant sein könnte oder Tipps und Tricks, die Euch das Leben vereinfachen, dann schreibt mir gern unter zickleinundboeckchen@web.de ! Ich bin offen für Anregungen und Gastartikel!

Habt noch einen schönen faulen Tag!

Eure Lotti

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Mit diesem Blogbeitrag nehme ich auch am Scoyo Eltern Blog Award teil! Drückt mir die Daumen!

 

 

 

 

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40 comments on “Warum faule Eltern pädagogisch wertvoll sind!

  1. Britta Kohl on said:

    …erschreckend wie recht du hast…aber ein guter anreiz ums auch etwas,, fauler ,,angehen zu lassen

    • zickleinLotti on said:

      Das ehrt mich, dass Du meine Worte als Anreiz nimmst 🙂 Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim faul sein, liebe Britta! <3

      Liebe Grüße
      Lotti

  2. Ein ganz ganz toller Artikel von dir!!! Ich finde das ganz wichtig und oft fehlt uns Eltern einfach die Gelassenheit dazu. Die kam bei mir leider auch erst mit Kind 2 🙈.

    • zickleinLotti on said:

      Liebe Katja,

      vielen Dank! Ja, bei mir kam die Gelassenheit auch erst mit dem zweiten Kind. Zuerst, weil es einfach nicht mehr anders ging und ich zwangsläufig Abstriche machen musste, dann, weil ich merkte, dass es auch ohne mein ständiges Zutun wunderbar klappt. Das Zicklein musste sich damit natürlich in der ein oder anderen Situation arrangieren, aber meist ist sie begeistert, wenn sie etwas alleine machen darf!

      Liebe Grüße
      Lotti

  3. Hey Lotti,
    endlich mal ein paar gute Argumente um den Kindern nicht immer hinterherrennen zu müssen. 😉
    Toller Post.
    LG Janni

    • zickleinLotti on said:

      Danke Dir, lieber Janni!

      Ich muss gestehen, dass es mir manchmal auch noch schwer fällt, den Kindern nicht immer nachzulaufen. Aber da ich bisher so viele gute Erfahrungen damit gemacht habe, habe ich mir fest vorgenommen, mir das immer wieder bewusst zu machen, bis es mir irgendwann in Fleisch und Blut übergeht 😉

      Liebe Grüße
      Lotti

  4. Gefällt mir! Besonders den Punkt zum Thema „Langeweile macht kreativ“ befürworte ich voll und ganz. ABER…so überzeugend es auch klingt- so einfach ist es eben doch nicht, den Kids eben mal so machen und wuseln zu lassen. Ich würde sogar sagen, dass es zunächst einmal anstrengend ist, sich ständig von eventuellen Einschreitaktionen zurückzurufen. Denn man will ja nicht als Rabenmutter dastehen, die ihre Kinder womöglich noch Gefahren aussetzt oder die sich zu fein ist, mit ihren Kindern zu spielen. Jedenfalls spuken mir solche Gedanken im Kopf rum, wenn der faule Teufel auf meiner linken Schulter den eifrigen Engel rechts davon überzeugen will, mal einen Kaffee trinken zu gehen. Hach, alles nicht so einfach…Ich probiere es morgen einfach mal aus: Wenn sich meine Kinder mal wegen diesem tollen, blauen IKEA-Plastelöffeln kloppen, der ja sooo toll und viel, viel schöner als die andersfarbigen sind, dann schreite ich mal nicht ein. Irgendeine Lösung wird sich wohl finden. Im schlimmsten Falle esse ich den Nachtisch😉…Viele Grüße! Claudia

    • zickleinLotti on said:

      Liebe Claudia,

      ich musste gerade echt Schmunzeln. Mich interessiert sehr, wie denn Eure IKEA-Löffel-Aktion gelaufen ist!!! 😀

      Du hast absolut Recht, mir geht es auch oft so, dass ich mir Gedanken darüber mache, wie mein Verhalten bei anderen rüber kommt. Gerade in Sachen Erziehung fühlt man sich ja ständig auf dem Prüfstand. Aber ich merke auch immer wieder, in meiner Arbeit und an mir selbst, wie ungesund es auch für die Eltern sein kann sich so aufzureiben. Und wenn man sich dann bewusste macht, dass diese Faulheit gar nicht immer etwas Negatives ist, dann erleichtert das das Gewissen ungemein und stärkt einen auch selbst in seinem Selbstbewusstsein! Und je mehr Eltern zu dieser Erkenntnis gelangen, desto selbstverständlicher wird es. Es muss sich nur einer trauen den Anfang zu machen 😉

      Liebe Grüße
      Lotti

      • Liebe Lotti!
        Genau so sehe ich das auch- man muss es sich nur immer wieder vor Augen halten, dass Kinder auch alleine unter sich in der Lage sind, „Konflikte“ untereinander auszumachen, ohne das wir gleich einschreiten.
        Unser Zanken um die Ikealöffel hat sich übrigens mittlerweile etwas gelegt😉. Man hat wohl eingesehen, dass der Nachtisch immer gleich schmeckt😂!
        Viele Grüße!
        Claudia

  5. Liebe Lotti.
    Endlich mal etwas, das nicht GEGEN unsere Faulheit spricht, sondern DAFÜR.
    Manchmal habe ich ja ein schlechtes Gewissen, meine Kleine einfach machen zu lassen und mich „nicht um sie zu kümmern“. Aber wie du sagst, eigentlich hat sie dadurch einen großen Vorteil.
    Liebe Grüße
    Kathrin

    • zickleinLotti on said:

      Liebe Kathrin,

      so geht es mir auch ganz oft. Das Zicklein möchte auch immer mit uns spielen und manchmal bricht es mir das Herz, dass ich keine Energie oder etwas anderes zu tun habe. Dafür bin ich in den Momenten, in denen wir spielen, voll da und nicht in Gedanken durch andere Dinge oder Müdigkeit abgelenkt. Das sind dann wirklich schöne Momente zusammen, die wir beide sehr genießen. Dieser Ausgleich sollte natürlich auch gegeben sein, aber man muss eben nicht 24/Tag nur für sein Kind da sein.

      Liebe Grüße
      Lotti

  6. Jep! Kann ich voll und ganz unterschreiben!
    Ich bin auch eine faule Mutter (hab ich so auch noch nie geschrieben! 😜) und es ist gut so! 😘

    • zickleinLotti on said:

      Liebe Lisa,

      ich hoffe, Du wirst es zukünftig noch öfter mit vollem Stolz von Dir schreiben und sagen 😀

      Liebe Grüße
      Lotti

  7. Liebe Lotti,
    ich finde, deinen Artikel wirklich toll. Aber, ich finde, den Begriff „faul“ in diesem Zusammenhang unpassend und zudem ist er negativ besetzt.
    Das elterliche Verhalten, was du beschreibst, ist jedoch äußerst positiv. Es ist Kindorientiert und macht Kinder selbstbewusst.
    Und es ist gar nicht so leicht für Eltern, sich so zu verhalten, weil sie sich selbst refektieren und oft zurücknehmen müssen. Faul , darf man da nun wirklich nicht sein 😉
    Toller Text!

    • zickleinLotti on said:

      Liebe Britta,

      ich verstehe, was Du meinst 🙂 Aber ich habe ganz bewusst diesen „negativ“ besetzten Begriff gewählt, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Eltern (so wie es z.B. Claudia in den Kommentaren weiter oben beschreibt) das Gefühl haben sie würden etwas falsch machen, wenn sie ihren Kindern mehr Verantwortung übertragen, nicht den ganzen Tag mit ihnen spielen oder nicht sofort eingreifen, wenn sie z.B. auf einen Baum klettern. Dadurch entsteht oft ein enormer Druck. Mein Ziel mit diesem Artikel ist, diese Negativbehaftung abzuschwächen und die positiven Seiten aufzuzeigen 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Lotti

  8. Ach ja.. Ich hab es im Urlaub auch wieder festgestellt, dass weniger manchmal mehr ist.
    Jeden Tag hab ich meinen Kindern ein tolles Programm mit Ausflügen, Bastelaktionen etc. beschert.
    Als ich dann einen Tag mal fragte, worauf sie Lust haben, war die Antwort einfach nur Spielplatz. Und wir waren ungelogen 2 Stunden auf dem Spielplatz und ich lag irgendwann nur noch auf der Bank und hab fast geschlafen 😂 und die zwei haben sooo lieb zusammen gespielt, ohne das ich irgendetwas tun musste 😊
    Ich war einfach nur in der Nähe

  9. Super, dass das mal eine schreibt! Ich habe nämlich manchmal schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mich ständig rausschleiche, allein pielen lassen und sicher diejenige bin, die sich in der Sonneräkelt.
    Also doch nicht alles falsch gemacht….

  10. Pingback:Linkliebe im September • Mamatized

  11. Die Spielplatzsituation kommt mir so bekannt vor… ich bin auch eine „faule Mutter“ und dachte immer, ich müsste viel mehr spielen und schlichten und machen. Aber das Resultat meiner „Faulheit“ sind Kinder, um die ich manchmal beneidet werde, weil sie Stunde um Stunde so wahnsinnig schön miteinander spielen (und klar: -auch streiten) können. Das ist ein sehr schöner Artikel von dir!

    • zickleinLotti on said:

      Hi meine Liebe,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Was für ein schönes, praktisches Beispiel für meine Theorie 🙂 Freut mich, dass Du und Deine Kinder da so gute Erfahrungen machen.Ich wünsche Euch weiterhin eine tolle Zeit!

      Liebe Grüße
      Lotti

  12. Pingback:Jahresrückblick 2016 - Die schönsten Blogmomente - Zicklein & Böckchen

  13. Pingback:10 geniale Spielideen und Tricks für faule Eltern und diejenigen, die es noch werden sollten! - Zicklein & Böckchen

  14. Hey Lotti!
    Du sprichst mir aus der Seele! Ich bin auch eine von den faulen Eltern und meine vier Kinder zwischen 5 und 14 sind trotzdem ganz gut geraten! Sie sind selbständig und fröhlich, freuen sich, wenn ich was mit ihnen mache, können sich aber auch toll allein beschäftigen. Alle Eltern sollten sich das faul sein gönnen. Und wenn das zu unpädagogisch ist, nennt es einfach entspannt erziehen…. Damit geht es allen besser! Und so manches Mal wird man sogar um seine Gelassenheit beneidet….. Welch Bestätigung!
    Liebe Grüße, Natalie

    • Entspannt Erziehen! Klasse! Hört sich gleich viel, viel wertvoller und schöner an 🙂
      Vielen Dank für Deine Erfahrungen, liebe Natalie!

      Liebe Grüße
      Lotti

  15. Hallo!
    Ich lasse meine Tochter sehr viel und gern allein machen, in Kontakt treten und auch „Konflikte“ mit anderen austragen. Mit ihren 15 Monaten sind diese aktuell noch überschaubar. In vielen Punkten stimme ich mit deinen Schilderungen überein. Jedoch werde ich immer einspringen und unterstützen, wenn meine Tochter aktiv meine Hilfe verlangt in einem Streit „mama ich brauche deine Hilfe/Unterstützung“ – denn ich möchte das sie weiß, das ich verlässlich und da bin. (Das gilt jedoch zB nicht um aufs klettergerpst hu kommen – hier soll sie so weit kommen, wie es ihre Fähigkeiten zulassen.)

    Liebe Grüße,
    Antonia
    https://tandaradei.blog

    • Liebe Antonia,

      vielen Dank für Deinen tollen Kommentar!

      Ich stimme Dir absolut zu: Wenn meine Kinder ernsthaft Hilfe benötigen, weil sie einen Konflikt nicht klären können, ihnen der andere überlegen ist oder es zu ernsthaften körperlichen Auseinandersetzungen kommt, würde ich auch IMMER eingreifen und helfen.

      Bei dem Konflikt in meiner anfänglichen Schilderung handelte es sich aber tatsächlich um gegenseitige Sticheleien der beiden Mädels. Bereits am Tonfall meiner Tochter habe ich gemerkt, dass der Ruf nach „Hilfe“ eigentlich eher ein „Petzten“ war und sie sich in der Situation nicht wirklich „hilflos“ gefühlt hat, sondern P. durchaus etwas entgegenzusetzten hatte 🙂

      Mir wurde aber gerade in der Situation sehr bewusst, dass viele Kinder in Konflikten gleich die Unterstützung von Erwachsenen suchen, weil sie es zB aus der Kita so gewohnt sind, dass der Erzieher sofort eingreift (nur ein Beispiel!)und sie gar nicht gelernt habe, zu versuchen einen Konflikt erst einmal selbst zu regeln.

      Ich hoffe, ich konnte den Unterschied für mich deutlich machen. Wenn man die Situation selbst erlebt und sein Kind kennt, dann merkt man ja auch, ob die Hilfe jetzt wirklich dringend gebraucht wird 🙂

      Liebe Grüße
      Lotti

  16. Barbara on said:

    Du sprichst mir so aus meinem 💗Arbeite im Kiga und kenn dieses leidige Thema nur zu gut wenn Eltern nachfragen, was die Kinder gemacht haben. Sie haben „nur“ gespielt!! WAS??!!!Sie haben nichts gebastelt!!!!?!!!! Kein Lied oder Fingerspiel oder Gedicht oder oder oder….gelernt?!!!! Nein, das Kind durfte heute „nur“ mal Kind sein.
    Ich kann den Satz, Hilf es mir selbst zu tun nur befürworten. Und auch Langeweile ist sie wichtig. Das gelernte, die Eindrücke müssen erstmal verarbeitet werden.
    Liebe Eltern,seit entspannt faul😉
    Barbara

    • Danke für Deine Worte, liebe Barbara.
      Ich selbst bin seit kurzem auch wieder als Erzieherin tätig, in einem sehr engagiertem Team. Ich finde es toll, dass die Kollegen so viel für die Kinder auf die Beine stellen. Aber, auch wenn basteln und co Spaß macht, so müssen sich die Kinder doch auch die ganze zeit konzentrieren, ruhig sein und sich an gewisse Vorgaben halten.

      So richtig verwirklichen können sie sich einfach am besten im Freispiel. Abschalten und ganz darin aufgehen!

      Liebe Grüße
      Lotti

  17. Katharina on said:

    Toller Beitrag und eine geniale Anregung, auch wenn ich schon des öfteren versuche Faul zu sein, hier kann man noch was lernen.
    Alles Liebe Dir und deinen Zickenkindern:-D

    Viele Grüße Katharina

  18. Michaela on said:

    Hallo, ich bin schon fast zu alt für hier. Meine Kinder sind 31 und 28. Die große ist schwerbehindert und die kurze Heilerziehungspflederin.als sie klein war, wohnten wir in Sichtweite eines Spielplatzes. Dort ist sie alleine gewesen. Mit anderen Kindern. Das war so in der Siedlung. Und mit den Jungs auf Bäumen. Eine Freundin von ihr war entsetzt. Die hatten zwei Häuser weiter Sandkasten Schaukel und rutsche im Garten. Langweilig. Als sie dann in einem Kindergarten gearbeitet hat, war sie ziemlich baff, dass „ihre“ Erzieherin sich so gewandelt hat. Die Kinder zwischen 2 und 4 dürften sich nicht alleine umziehen, keine Anleitung zum malen bekommen , obwohl sie so viel wollten. Dafür waren sie angeblich noch zu klein. Schon das zur Toilette? Das kann sie noch nicht, ist doch erst 2. Ich bin mir sicher, dass meine Tochter, wenn dann mal Kinder da sind, so erzieht, wie sie es zu Hause erfahren hat. Lasst die Kinder doch! Da sein reicht so oft. Liebe Grüße

    • Hach, da sagst Du was, liebe Michaela!
      Ich sehe diese Entwicklung leider ähnlich. Die Schulhöfe werden zunehmend asphaltiert, damit die Kinder nicht gegen Bäume rennen. Die Spielplätze sind vorgefertigt und jedes gerät darf auch nur genau nach Bestimmung genutzt werden. Kreativität, Experimentiern bitte nur im vorgegebenem Rahmen!
      Natürlich ist es schwer eine große Kindergruppe zu beaufsichtigen. Und das Verletzungsrisiko ist bei vielen Kindern zusammen natürlich höher. Aber wollen wir wirklich diesen Preis zahlen, nur um auf Nummer sicher zu gehen?
      Natürlich können Erzieher auch nur dann lockerer werden, wenn es auch die Eltern sind und sie akzeptieren können, dass es auch im Kiga und der Schule mal Unfälle geben kann.

      Liebe Grüße
      Lotti

  19. Ach, herrlich! Nie wieder schlechtes Gewissen 😉
    Wir geben unserer Tochter auch bewusst Raum für Langeweile – und somit für Kreativität! Sie findet immer etwas Spannendes, mit dem sie sich dann ausgiebig auseinandersetzt..

  20. Steffi on said:

    Ich finde den Artikel sehr unterhaltsam geschrieben 😂 allerdings finde ich nicht, dass Eltern, die ihr Kind selbstständig und selbstverantwortlich erziehen wirklich faul sind! Manchmal ist es wesentlich schwieriger und anstrengender (besonders für die Nerven) nicht einzugreifen- z.B.klettert mein Kleiner derzeit überall rauf…

  21. Sylvie on said:

    Genauso ist es bei uns- aber viel mehr, weil unsere Tochter uns dahin gebracht hat.
    Sie ist sehr ausdauernd, neugierig, umsichtig und will überhaupt nicht, dass wir ihr was abnehmen und sie durchgehend entertainen. Und wenn was nicht klappt, bittet sie schlicht um Hilfe. Von Frustration keine Spur. Und dabei ist sie erst 2.