Mit oder ohne Lernplan lernen?


Fachartikel zum Thema Lernplan

Der erste Tag „Distanzunterricht“ im neuen Jahr liegt hinter uns.
Ich weiß nicht, wie es bei Dir aussieht, aber die Schule vom Zicklein hat es leider überhaupt nicht hinbekommen, irgendetwas im Vergleich zum ersten Lockdown zu verändern.
Wie schon Anfang 2020 bekommen wir einfach von jedem Lehrer für jedes Fach Wochenpläne zugeschickt, die wir dann im Homeschooling mit ihr durcharbeiten.
Wo hier also der Unterschied vom Homeschooling zum Distanzunterricht sein soll, hat sich mir leider nicht erschlossen.
Mich würde wirklich einmal interessieren, welche Erfahrungen andere Eltern damit gerade machen! Wenn Du also mit Deinen Kindern auch gerade wieder einmal zuhause für die Schule büffelst, dann berichte doch mal, wie es bei Euch im Moment aussieht!

Davon abgesehen, hat das Lernen der einzelnen Fächer mit den Wochenplänen aber auch einige Vorteile:
  1. Das Zicklein kann weitestgehend selbstständig arbeiten, da sie genau weiß, welche Aufgabe an welchem Tag zu erledigen ist.
  2. Durch die klare Übersicht weiß sie genau, wie viel noch vor ihr liegt und kann selbst einschätzen, wie lange sie noch brauchen wird und wann eine Pause sinnvoll ist

Dadurch lernt sie gerade das strukturierte Lernen, was ja besonders im Hinblick auf Vorbereitungen für Klassenarbeiten sinnvoll ist.

Es ist also im Moment nicht alles schlecht 🙂

Diese Vorteile macht sich übrigens auch ein Lernplan für zuhause zunutze.

Was das ganz genau ist und wie auch Du ihn während und nach der Corona-Pandemie sinnvoll mit Deinen Kindern einsetzten kannst, erklärt Dir heute ein Mann vom Fach:

Patrick  Breitenstein vom Blog besser Noten.

Mit einem Lernplan lernen oder nicht? Wann ergibt es Sinn?
Lernen ist für die wenigsten Kinder eine Tätigkeit, die mit Freude angegangen wird. Nach einem Schultag denken die Kinder oft nicht mehr an das Lernen und möchten einfach nur spielen.
Sicher habt ihr dann manchmal große Schwierigkeiten, eure Kinder zur Vorbereitung der nächsten Arbeit oder des nächsten Schultags zu bewegen.
Ein Lernplan kann hier Abhilfe schaffen. Warum? Ganz einfach: Er nimmt die Diskussion vom Tisch und das Kind weiß genau, was ansteht.
Ein sehr frustrierendes Gefühle ist es, nach Hause zu kommen, während man den ganzen Tag in der Schule davon geträumt hat, was man dann alles direkt machen kann und dann von den Elternüberrumpelt zu werden mit Lerneinheiten und Co.
Ein Lernplan schafft Klarheit und wenn dieser über eine längere Zeit eingehalten wird, dann gewöhnt sich das Kind an die Realität, dass man nach der Schule (an gewissen Tagen) eben noch kurz lernen muss.
Eine gute Organisation des Lernstoffs ist auch die Basis für gute Noten. In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie ihr gemeinsam mit euren Kindern einen Lernplan erstellt.
In diesem Beitrag lernt ihr vor allem Folgendes:
  • Wie der Lernplan schlechten Noten vorbeugt
  • Welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, einen Lernplan zu erstellen
  • Wie Lernblöcke gezielt zur Gewohnheit werden

Inhalt

  1. Was ist ein Lernplan eigentlich?
  2. Wann bietet sich ein Lernplan an bzw. was bringt ein Lernplan?
  3. Wie erstellt man einen individuellen Lernplan?
  4. Wie schafft man es, den Lernplan einzuhalten?
  5. Fazit und Empfehlung

1. Was ist ein Lernplan eigentlich?

„Wenn man es nicht schafft zu planen, plant man, es nicht zu schaffen.“ Benjamin Franklin

Manche Kinder sind von Natur aus ein wenig unordentlich und unstrukturiert. Dann fällt das Lernen schwer und Chaos ist vorprogrammiert. Schlechte Noten sind oft das Ergebnis von einer gewissen Planlosigkeit, was den Lernprozess betrifft.

Lernpläne können Abhilfe schaffen, um die Schulorganisation nicht mehr dem Zufall zu überlassen.

Ein Lernplan ist eine Art Kalender mit Lerneinheiten. Er wird an den normalen Schul-Stundenplanangelehnt. Um den Lernplan individuell auf die Bedürfnisse des Kindes zuzuschneiden, solltet ihr natürlich den Lernbedarf eures Kindes berücksichtigen.

Dann hat der Lernplan viele Vorteile:

  • Erleichtert Vorbereitung von Klassenarbeiten
  • Bringt Struktur und Ordnung in Lernprozess
  • Führt oft zu besseren Noten
  • Hilft bei Persönlichkeitsentwicklung des Kindes

Das Ziel eines guten Lernplans besteht vor allem darin, „Problemfächer“ zu bewältigen, aber auch sich auf eine Klausur ausreichend vorzubereiten. Wichtig ist, dass man das Lernen zu einer Gewohnheit werden lässt, welche nach einer gewissen Zeit vom Kind als selbstverständlich angesehen wird.

Das hilft dem Kind auf Dauer strukturiert und regelmäßig seinen Leistungsstand zu prüfen und zulernen.

2.Wann bietet sich ein Lernplan an bzw. was bringt ein Lernplan?

Ein Lernplan hilft dabei bisher verschwendete Potentiale aufzuspüren und zu entfalten. Ordnung und Organisation erleichtern den Lernprozess und wer besser lernt, der wird besser in der Schule. Lernbedarfe werden schneller offensichtlich und frühzeitiges Intervenieren wird möglich.

Daher könnt ihr euer Kind unterstützen, indem ihr ihnen den Nutzen von einem Lernplan erklärt. Außerdem ist für das Kind so viel einfacher, den eigenen Lernbedarf zu erkennen. Dann bleiben ihm zusätzlich unangenehme Erfahrungen von schlechten Noten erspart.

Dazu gibt es hier ein kleines Geheimnis, welches ihr eurem Kind gern mitteilen könnt. Einserschüler haben die Lernplanung oft gemeistert und sind absolute Planungs-Profis.

Wenn ersichtlich wird, dass euer Kind schwerwiegende Probleme in einem Fach hat, könnt ihr gemeinsam nach externer oder interner Hilfe suchen. Vielleicht können diese Menschen euer Kind beim Lernen unterstützen:

  • Familienmitglieder mit Fachwissen zu einem bestimmten Thema
  • Freunde des Kindes aus derselben Klasse
  • Freunde des Kindes aus höheren Klassen
  • Nachhilfelehrer (zum Beispiel über Preply)

3. Wie erstellt man einen individuellen Lernplan?

Zuerst einmal könntet ihr schauen, welche Medien euer Kind am liebsten benutzt. Lernt es lieber anhand einer ausgedruckten Exceltabelle bzw. Kalenders einer Software (z.B. Google Kalender) oder hat es mehr Freude an händisch gezeichneten Plänen?

Wenn ihr das herausgefunden habt, gestaltet ihr gemeinsam den Lernplan für euer Kind. Achtet dabei auf die speziellen Lernbedarfe, die vielleicht in einigen Fächern vorhanden sind. Nehmt außerdem den Schul-Stundenplan als Vorlage, damit der Lernplan auch zielführend ist.

Ein Beispiel:

Familie Müller hat einen Sohn, der in Mathe etwas schwächelt und auch generell etwas unorganisiert ist. Nach einer Familienbesprechung entscheiden sich alle gemeinsam für einen Lernplan, damit weniger Missverständnisse entstehen und besser gelernt werden kann.

Als Erstes müssen sie die Anzahl der Lernstunden festlegen. Wenn das Kind viel Mittagsschule hat, dann ist es verständlicherweise weniger als wenn der Mittag immer frei ist. Man sollte mindestens 5 Stunden lernen in die Woche einbauen, damit der Plan auch seine Effektivität zeigt. Diese Stunden sollten dann aber über möglichst viele Tage ausgebreitet werden, damit das Gehirn den Effekt der verteilten Wiederholungen für sich nutzen kann.

Danach muss man die Tage festlegen, an welchen gelernt werden soll und die Uhrzeit.

Wie lange sollten die Lerneinheiten sein?

Im Grundschulalter sollte man mit 25 Minuten bis 30 Minuten beginnen. Das kann man dann in der Mittelstufe anheben auf maximal 45 Minuten (mit kleiner Pause nach 25 min) bis man in der Oberstufe auch Lerneinheiten von 60 Minuten festlegen kann mit einer kurzen 5 Minuten Pause in der Mitte.

Welche Uhrzeit ist die beste für die Lerneinheiten?

Am besten kann man das mit dem Kind einfach austesten, wenn das noch unklar ist. Die Faustregel lautet: Lieber früher als später, da sonst die komplette Energie aus dem Kind heraus ist. Kleine Wiederholungen bieten sich aber noch kurz vor dem Schlafen an, damit diese ins Langzeitgedächtnis gelangen. Aber wirklich nur leichte Kost.

Was wird dann überhaupt gelernt?
Wenn das Zeitkonstrukt steht, dann geht es an die Lerninhalte.
Ein gutes Rezept dafür ist 30% inhaltliche Wiederholung des Unterrichts, 60% Übungen und Aufgaben dazu lösen und 10% Vorauslernen.
Das kommt natürlich etwas auf das Fach an. Mathe z.B. ist so übungslastig, dass es bis zu 80% üben sein kann, während Fächer wie Deutsch oder Geschichte einen größeren Part bei der Wiederholung einnehmen.
Generell ist das auch themenabhängig und abhängig vom Leistungstand des Kindes. Diese Regel ist also eher eine grobe Richtlinie. Wichtig ist, dass überhaupt etwas gemacht wird für die Gewohnheit!
Die Inhalte und Fächer der Lerneinheiten dürfen auch schnell für eine Woche ausgetauscht werden, wenn eine Klausur ansteht.
Wie muss ich als Elternteil unterstützen?
Wenn das Kind alt genug ist, um Aufgaben zum Themenbereich zu finden, dann ist eure Aufgabe als Elternteil lediglich gute Rahmenbedingungen zu schaffen wie zum Bespiel Ruhe und auch mal eine Erinnerung, wenn das Kind vergessen hat, dass die Lerneinheit gleich ansteht.
Bei Kindern im Grundschulalter ist es etwas schwieriger, da diese oft nicht von selbst wissen, was gelernt werden muss. Dafür bietet sich dann ein externes Übungs- oder Arbeitsheft an oder die Übungsseiten in den Schulbüchern.
Diese sind übrigens immer super zur Kontrolle des Leistungsstands. Verlage wie Cornelsen und Klett bieten dort eine Unmenge an gutem Material für einen fairen Preis.
In der Grundschule allgemein ist der Lernplan nur sinnvoll bei einem Fach, welches schwächelt, um frühzeitig die Kurve zu bekommen, oder auch für die Woche vor einem großen Test.

So könnte dann der fertige Lernplan am Ende aussehen.
Zudem solltet ihr gemeinsam mit eurem Kind herausfinden, welcher Lerntyp euer Kind ist. Dafür lohnt es sich, verschiedene Strategien auszuprobieren und daraus 2 bis 3 Methodenzusammenzutragen, die für euer Kind besonders gut funktionieren.
Karteikarten und das Visualisieren von Zusammenhängen anhand einer Mindmap sind zwei sehr gutfunktionierende Lernstrategien für Kinder.
Wichtig für den Erfolg des Lernplans ist folgendes:
  • Der Lernplan sollte gut sichtbar und stets zugänglich sein (z.B. über den Schreibtisch hängen)
  • Der Lernplan sollte alle 3 Wochen (und vor großen Klausuren) besprochen werden und ggf. angepasst werden
  • Die Verbindlichkeiten vom Lernplan müssen auch eingehalten werden

4.Wie schafft man es, den Lernplan einzuhalten?

Das Schwierigste und gleichzeitig Wichtigste für den Erfolg eines Lernplans ist es ihn auch einzuhalten. Darum solltet ihr eure Kinder langsam aber stetig an ihn gewöhnen. Lange Lernblöcke von 90 Minuten sind daher nicht zielführend und wirken zu Beginn eher abschreckend.
Die optimale Länge eines Lernblocks sollte 25-30 Minuten betragen. Dieser überschaubare zeitliche Rahmen ist für Kinder gut zu bewältigen. Ein hilfreiches Tool für die Einhaltung eines Lernblocks ist Pomofocus. Das ist eine Art Timer, in dem ihr den zeitlichen Rahmen für einen Lernblock einstellenkönnt.
Zwischen den einzelnen Lernblocks müssen Pausenzeiten eingebaut werden, damit das Kind sich immer wieder erholen kann und über einen langen Zeitraum hinweg aufmerksam lernt.
Seht nicht einfach darüber hinweg, wenn euer Kind eine Lerneinheit wegfallen lässt. Unterstützt es, indem ihr von Anfang an gemeinsam ein bis zwei Ersatztermin festlegt, welche genutzt werden können, wenn der Lernplan einmal doch nicht eingehalten werden kann.
Dabei lernt euer Kind diese wertvollen Fähigkeiten:
  • Verbindlichkeiten einzuhalten
  • Nach Alternativen zu suchen
  • Eigenverantwortung für die Schule zu stärken
  • Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit
  • Freude am Lernen zu finden
  • Lernen als Gewohnheit wahrzunehmen
  • Sich selbst zu organisieren

5. Fazit und Empfehlung

Ein Lernplan birgt allerhand Potentiale. Er fördert nicht nur das Lernen für die Schule und führt zu guten Noten, sondern trägt auch zu einer positiven Entwicklung des Kindes bei. Besonders Kinder mit einem etwas chaotischen Naturell profitieren von einem strukturierten Lernplan.
Wenn ihr euch dabei angesprochen fühlt, dann solltet ihr gemeinsam mit eurem Kind einen individuellen Lernplan erstellen. So bekommt ihr rechtzeitig mit, wenn es Probleme mit bestimmten Themen gibt und könnt eingreifen. Das Kind hat auch selbst die Chance, sich zu überprüfen und Lerndefizite zu erkennen.
Probiert es einfach aus. Ihr werdet sehen, dass sich durch einen Lernplan viele Potentiale entfalten können und euer Kind nach einer Zeit mit mehr Leichtigkeit lernen wird.
Damit beugt ihr kurzfristigem Lernen ohne nachhaltige Effekte vor und legt den Grundstein für gefestigtes Wissen, auf dem man aufbauen kann.

Über den Autor:
Patrick Breitenstein ist der Autor des Blogs für bessere Noten, wo es alles für Eltern und Schüler gibt, welche gerne in der Schule besser sein möchten.
Hinter dem Blog steht die Firma Tutor Boost, welche Online Nachhilfe für Schüler, Studenten und Erwachsene anbietet in allen Hauptfächern und Hauptsprachen. Er selbst war selbst lange Jahre Nachhilfelehrer und bringt nun diese Erfahrung in das Online Magazin und in die Firma als Leitung und Gründer mit ein.

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2 Kommentare auf “Mit oder ohne Lernplan lernen?

  1. Silke am schreibt:

    Was für ein wertvoller Beitrag. Vielen Dank für den Input. Um ehrlich zu sein, fiel mir das Homeschooling bisher sehr schwer. Wir bekamen bisher eher Zwei- oder damals quasi „Ewigwochenpläne“, was bedeutet, dass ich mich noch mal hinsetzen und alles für die jeweiligen Tage aufdröseln muss, damit es verteilt ist. Aber in diesem Lockdown ist unsere Schule digital merklich besser ausgestattet und auch erreichbar. Das ist viel wert. Ich habe das Glück, ab nächster Woche weniger arbeiten zu können, sodass ich mehr Zeit ins Schulprogramm investieren kann. Wie du geschrieben hast, ist für Grundschüler gerade die richtige und ruhige Lernumgebung wichtig, was mit einem kleinen Geschwisterkind noch mal schwieriger ist. Kennst du ja. 🙂 Ich versuche mich mal an einem Lernplan wie oben beschrieben. Auch vor dem Ins-Bett-Gehen beispielsweise noch mal ein paar Vokabeln oder das kleine Einmaleins zu üben, ist eine gute Idee. Wie du schreibst, leichte Kost. Darauf sind wir bisher nicht gekommen. Also wirklich von Herzen danke für die Anregungen. <3

    • Liebe Silke,

      vielen Dank für Dein Feedback! We schön, dass Eure Schule die letzten Monate digital aufgeholt hat und nun besser auf den Lockdown vorbereitetet ist. Wie Du schon schreibst, wenn man nebenbei zuhause auch noch sein eigenes Arbeitspensum und ein weiteres Kind beschäftigen muss, ist man um jede Erleichterung dankbar!
      Den Dank für den Input gebe ich gerne an Patrick, der diesen Artikel für mich geschrieben hat, weiter 🙂 Ich finde die Anregungen mit dem Lernplan auch große Klasse, nicht nur fürs Homeschooling. Und gerade mit Wiederholungen vor dem Schlafengehen habe ich als Schülerin selbst sehr gute Erfahrungen gemacht und kann nur sagen, es funktioniert!
      Ich wünsche Dir und Deinen Jungs für die kommenden Wochen im Homeoffice viel Erfolg und wenig Stress. Schön, dass Du dann ein wenig weniger arbeiten musst 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Lotti

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