Darf man heute noch Hausfrau sein?


Eine interessante Frage, die Sonja von Sonjas besondere Welt da stellt.

Der erste Gedanke, der mir zu dieser Frage durch den Kopf schoss, war: “Ja, klar darf man! Es ist gesetzlich nicht verboten Hausfrau zu sein!” Die Frage, die aber dahinter steht ist: Darf man heute noch Hausfrau sein WOLLEN? Denn die Antwort darauf steht auf einem ganz anderen Blatt.

Ich habe schon immer gearbeitet bzw. gejobbt. Neben der Schule, nach meiner Ausbildung, neben dem Studium, nach meinem Studium, bis zum letzten Tag vor dem Mutterschutz, in beiden Schwangerschaften. Ich habe mir meinen Führerschein und meine ersten Möbel selbst finanziert und mein Bafög in einem Schwung zurückgezahlt.

Ich habe gearbeitet und gespart – jahrelang. Aber ich habe auch vom Gehalt meines Mannes gelebt. Nach der ersten Elternzeit, als ich noch 3 Monate darauf warten musste, dass ich mit meinem Praktikum für die staatliche Anerkennung beginnen konnte. Nach der staatlichen Anerkennung, als ich 5 Monate lang auf Jobsuche war, weil es einfach keine passenden Jobs zu dieser Zeit gab. Jetzt, seit 6 Monaten, in der meine Elternzeit offiziell vorbei ist, wir aber erst ab September einen Kitaplatz für das Böckchen bekommen haben. Ich kenne beide “Daseinsformen”. Die als unabhängige Vollzeitberufstätige und die als Vollzeithausfrau. Und schon bald werde ich zum ersten Mal eine Teilzeitarbeitnehmerin und Teilzeithausfrau sein. Mein persönlicher Kompromiss zwischen meinen Wünschen und dem, was notwendig ist.

Jede Entscheidung für ein Lebensmodell ist eine Entscheidung gegen ein anderes

Unsere Großmütter sind damals auf die Straße gegangen, um uns Frauen das Recht zu erkämpfen arbeiten gehen und unabhängig sein zu können. Der Kampf darum war so hart (er findet in puncto Gehälter ja immer noch statt), dass ich das Gefühl habe, dass viele darüber vergessen, was wir andersherum dafür aufgeben mussten. Nämlich das gesellschaftliche Recht, bewusst den anderen Weg zu gehen und ein vermeintlich veraltetes Lebensmodell zu wählen. In vielen Augen macht eine solche Wahl die Errungenschaften des Feminismus zu Nichte.

Dieses Gefühl bekomme ich jedenfalls, wenn ich mir die Kommentare zum Thema Hausfrauen heute so anhöre. Wie kann eine Frau sich selbst nur so erniedrigen und sich von ihrem Mann abhängig machen (selbst wenn der Mann ausreichend für beide verdient)?! An diesen Frauen ist die Emanzipation scheinbar völlig vorbeigegangen. Das kann eigentlich nur heißen, sie sind entweder gebärfreudige Glucken oder zu faul zum Arbeiten! Der Märchenprinz hat einmal gehört, wie unsere Nachbarin zu ihrem Mann sagte: “Na die Lotti, die ist ja den ganzen Tag mit dem Kleinen Zuhause. Die geht ja nicht arbeiten. Wahrscheinlich erwarten die bald ihr drittes Kind!” Diese Frau weiß nichts über unsere familiäre Situation (auch wenn sie es nur zu gerne täte!), hat aber offenbar ein ganz klares Bild davon, was ich für eine bin.

Eine, die anders lebt, als sie. Die sich für ein (wenn auch gezwungener Maßen) anderes Lebensmodell entschieden hat und damit das ihrige in Frage stellt. Eine, die andere Prioritäten setzt und die ihrigen damit weniger Wert schätz. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum diese Frau sich anmaßt darüber zu urteilen, dass ich noch mit meinem Kleinen Zuhause bin.

Die Entscheidung für ein Lebensmodell ist gleichzeitig auch immer eine Entscheidung gegen ein anderes Lebensmodell. Denn anders sind die Anforderungen des Alltags gar nicht für uns zu meistern. Entscheide ich mich für die Karriere, muss ich viel Zeit und Energie investieren, die mir dafür woanders (z.B. im Haushalt oder den Hobbies) fehlt. Entscheide ich mich dafür Zuhause zu bleiben, gewinne ich vielleicht mehr Zeit mit den Kindern und persönliche Selbstbestimmtheit,  mache aber deutliche Abstriche in meiner finanziellen Unabhängigkeit und finanziellen Selbstbestimmtheit. Welches Modell wir wählen hängt eben strak damit zusammen, was für ein Typ Mensch wir sind und was uns am wichtigsten ist. Mir ist das alles wichtig, aber ich kann es nicht alles haben. Ich muss mich entscheiden, was das wichtigste ist und worauf ich mich zuerst konzentriere. Und das ist doch eigentlich der Kern der Frauenrechtsbewegung. Nicht, dass alle Frauen jetzt finanziell unabhängig sein und arbeiten gehen müssen, sondern dass sie für sich selbst entscheiden, was ihnen wichtig ist, ihr Lebensmodell frei wählen können und dafür akzeptiert und respektiert werden. Warum machen wir uns dieses Recht nur gegenseitig so schlecht, in dem wir das Lebensmodell der anderen verurteilen nur weil es anders ist?

Die Wahlfreiheit ist oft nur ein Schein

Oft wird diese Wahlfreiheit aber auch durch andere Aspekte beschnitten. Ganz vorne mit dabei ist der finanzielle Aspekt, der viele Eltern zurück in den Beruf zwingt, da die Betreuung der eigenen Kinder vom Staat nur für eine begrenzte Zeit honoriert wird. Wir alle sollen dem Arbeitsmarkt möglichst schnell wieder zur Verfügung stehen. Dabei ist die finanzielle Unterstützung durch das Kindergeld für viele Arbeitnehmer ein Witz. Bei uns deckt es gerade so die Kitakosten, da wir als Arbeitnehmer natürlich auch mehr dafür zahlen müssen. Dazu kommen Ausgaben für lange Arbeitswege (Bahnkarte oder Auto), Arbeitsmaterialien (jedenfalls bei uns), Fortbildungskosten (die nicht in jedem Job getragen werden), ggf. eine Putzhilfe usw.

Arbeiten zu gehen kostet einen mitunter also die Hälfte des Nettogehalts. Kein Wunder, wenn man darüber zweimal nachdenkt und, wenn man es sich leisten kann, lieber Zuhause bleibt.

Doch wenn man sich dafür entscheidet, muss man nicht nur mit o.g. Kritik, sondern auch mit Neid und Missgunst aus dem Umfeld rechnen. Nicht allein deswegen, weil man Zuhause ist, sondern weil man es sich überhaupt leisten kann! Wer hätte nicht gerne einen Partner, der so viel verdient, dass man selbst nicht arbeiten gehen muss?! Dabei werden die Einschränkungen, die diese Familien oft dafür hinnehmen, aber gerne übersehen. Z.B., dass der Partner dafür min. 10 Std am Tag arbeitet und oft auf Dienstreise ist oder die Mama jede Nacht nur 2 Std. schläft, weil das Kind einen Wachstumsschub hat, und sie sich selber nicht ausruhen kann, weil man als Mama keine Kranken- oder Urlaubstage hat.

So sieht es bei uns aus

Mein persönliches Lebensmodell sieht so aus, dass ich den ganzen Tag mit meinen Kindern und dem Haushalt Zuhause nicht glücklich wäre. Ich brauche auch noch unabhängig von meiner Familie eine Aufgabe, in der ich aufgehen und mich engagieren kann. Leider kann ich es mir aber nicht leisten, dabei meinem Traum und meiner Leidenschaft nachzugehen, denn ich habe die Prioritäten ganz klar zu Gunsten einer finanziellen Sicherheit für die ganze Familie gesetzt und werde dementsprechend weiter in einem sicheren Angestelltenverhältnis bleiben. Das ist im Moment der Weg, der unserer Lebenssituation und unseren Zielen am meisten entgegen kommt.

Allerdings gibt es da trotzdem immer noch einen dicken Zweifelteufel, der es sich auf meiner Schulter gemütlich gemacht hat und mir zuflüstert: “Das wird nichts. Du wirst die wichtigsten Entwicklungsschritte Deiner Kinder versäumen. Du wirst nach der Arbeit viel zu müde zum Spielen oder für den Haushalt sein. Du wirst keinem Hobby mehr nachgehen können und Dich schlecht und unausgelastet fühlen. Und Deine Arbeit wirst Du auch nicht richtig erledigen können. Mach Dir doch nichts vor, selbst in Vollzeit musstest Du in Deinem Job immer Überstunden machen, wie willst Du dieselbe Arbeit in 30 Stunden schaffen?!” Und ich kann nur ergeben antworten: “Ich weiß es nicht! Ich weiß, es wird hart werden. Aber ich weiß auch, dass es hart ist eine Hausfrau zu sein. Es ist anstrengend, den ganzen Tag hinter den Kindern her zu putzen. Es macht mir keinen Spaß und scheinbar bekommt man dafür nirgendwo Anerkennung!”

Mein Traum wäre es von Zuhause aus dem nach zu gehen, was mir Freude bereitet und damit mein Geld zu verdienen. So hätte ich die Balance zwischen Geld verdienen, etwas für mich zu tun und mehr Zeit für den Haushalt und die Familie zu haben. Aber auch dann müsste ich wieder Abstriche machen, die den nächsten Zweifelteufel nähren…

Fazit

Meine Antwort auf Sonjas Frage lautet daher: Ja, man kann heute noch Hausfrau sein. Es wird einem aber meiner Meinung nach sehr schwer gemacht und weder gesellschaftlich noch staatlich anerkannt oder ausreichend unterstützt. Was zur Folge hat, dass man heute eigentlich nicht mehr Hausfrau sein WOLLEN darf, ohne sich dafür vor Gott und der Welt rechtfertigen zu müssen. Aber andersherum ist es eben oft genauso.

Ich liebe meine Kinder wahnsinnig, trotzdem wäre das Hausfrauendasein auf Dauer nichts für mich. Nicht einmal, wenn ich es mir leisten könnte.Und deswegen werde ich mich nicht schlecht fühlen/oder machen lassen, nur weil eine andere Mutter gerne 24h/Tag für ihre Kinder da ist.  Ich wünsche mir vielmehr zeitliche und finanzielle Unabhängigkeit, in der ich selbst bestimme, wie viel ich arbeite und wie viel Zeit ich mit meiner Familie verbringe. Je nachdem, was an diesem Tag für mich Priorität hat.

Aber um seinen Lebenstraum (egal wie er aussehen mag) zu erreichen und leben zu können, muss man verdammt hart arbeiten 😉

Und wenn Ihr Euch jetzt fragt, wie Ihr so grundsätzlich zu dem Thema steht, dann überlegt doch mal, wie Ihr reagieren würdet, wenn Ihr eine 10 oder 16 Jährige (oder Eure eigene Tochter) nach Ihrem Berufswunsch fragt und die Antwort: “Hausfrau und Mutter” wäre 😉

Mit diesem kleinen Denkanstoß verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch allen noch einen tollen Tag!

Eure Lotti

Leave a comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

11 comments on “Darf man heute noch Hausfrau sein?

  1. Pingback:2-Kind-Traumfamilie? Warum das Idealbild auch nicht immer ideal ist! - Bunter Familienblog | Zicklein & Böckchen

  2. Liebe Lotti,

    ich habe ja auch dazu geschrieben und nun auch noch deinen Beitrag dazu gelesen! Wie du schon richtig sagst, meistens sind es doch die individuellen Gegebenheiten, die für die Entscheidung notwendig sind. Ich zum Beispiel würde auch gerne Teilzeit arbeiten… ABER schon allein dafür bräuchten wir dann mehr Betreuung, als wir momentan haben, außer es gebe einen passenden Job von 8-12 Uhr… Das wäre für mich optimal, aber sowas gibt es einfach nicht in meiner Branche. Ich muss es immer gewährleisten können, dass ich die Kinder alleine abgeholt bekomme, da mein Mann oft unterwegs ist und oft leider auch kurzfristig weg muss. Oma/Opa haben wir nicht in der Nähe und sind somit auf uns gestellt. Irgendwie alles schwierig, aber seit wir entschieden haben, dass ich erstmal zu Hause bleibe, auch deutlich entspannter! Mein Mann kann seiner Arbeit voll und ganz nachgehen, die Kinder sind versorgt und alle damit glücklich! Aber wie du schon sagst, dass muss man sich auch leisten können… Finanziell abhängig fühle ich mich aber zum Beispiel nicht…

    Liebe Grüße

    Sylvi

    • Liebe Sylvi,

      vielen Dank, dass Du Deine Gedanken zu dem Thema hier noch einmal kurz teilst <3 Ich finde es toll, dass Ihr, trotz der schwierigen Umstände, eine Lösung gefunden habt, die Ihr alle tragen könnt und mit der Ihr glücklich seid. Es kommt ja auch mal die Zeit, in der die Kinder nicht mehr so viel Unterstützung brauchen und man wieder neu überlegen kann, was einem dann gut tut!

      Liebe Grüße
      Lotti

  3. Das ist wirklich ein brisantes thema. Und ich gebe dir völlig recht. Ich persönlich muss auch wieder arbeiten gehen, nach 2 1/2 Jahren zu Hause. 3 Tage die Woche .die Doppelbelastung (Arbeit/Kind/Haushalt) wird meines Erachtens viel zu wenig gesehen, geschweige denn gewürdigt.

    • zickleinLotti on said:

      Ja, leider ist das so. Aber wie man es macht, macht man es eh für irgendwen verkehrt und wichtig ist doch, dass wir mit unseren Entscheidungen leben können bzw. müssen. Aber zumindest von staatlicher Seite sollte meiner Meinung nach mehr Unterstützung kommen, sein Lebensmodell wirklich frei wählen zu können. Damit würde man auch viele Überbelastungssituationen junger Familien (z.B. Burnout, Hilfen zur Erziehung etc.)kompensieren können.
      Ein wirklich schwieriges und vielschichtiges Thema….

      Ich freue mich riesig, dass Du Dich dazu zu Wort gemeldet hast!

      LG Lotti

  4. Hallo Lotti!

    Danke dir für deinen Beitrag!

    Liebe Grüße

    Sonja

  5. Wirklich spannend deine Aspekte zum Thema zu lesen und hier wird auch schnell deutlich, dass es eben eine sehr individuelle Entscheidung es ist, für welches Lebensmodell man sich letztlicht entscheidet.
    Ganz wichtig ist mir immer auf sein Herz zu hören, denn nur das wird uns auf Dauer glücklich machen. Auf gesellschaftliche Normen oder das was andere sagen zu hören, wird irgendann scheitern.

  6. Hallo,
    ein sehr schöner Beitrag. Vielleicht magst Du auch meinen zu dem Thema lesen.
    Es ist heute wirklich so, egal wie man es macht, es wird immer geredet. Allerdings muss ich sagen, dass es in meinem Umkreis eher so ist, dass die Frauen die ganzen 3 Jahre zu Hause bleiben und dann natürlich nochmal 3 Jahre, weil das zweite Kind kommt. Einer meiner Freundinnen ist nach den Kindern nie mehr in ihren Beruf eingestiegen und die Kinder sind mittlerweile 8 und 14. Ich bin also ein Exot.
    LG Anja

    • zickleinLotti on said:

      Hallo Anja,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und die Rückmeldung! 🙂 Ich habe Deinen Artikel auch gelesen und finde viele Aspekte wieder, die ich so auch unterschreiben würde. Andere sehe ich wiederum anders als Du. Aber genau darum geht es ja auch bei einer Blogparade: viele unterschiedliche Meinungen zusammenzutragen. Auf jeden Fall ein toller Artikel von Dir!

      LG Lotti