Bei uns heißt es Wau-Wau! Warum Babysprache die Sprachentwicklung fördert!


Dieser Post brennt mir schon lange unter den Fingern!

Und mit der tollen Blogparade „Nanu – Wie erziehst denn du?“ von der lieben Melanie (Blog: Lalemie) habe ich nun endlich auch den perfekten Rahmen für diesen Artikel gefunden.

Denn bei uns heißt der Hund „Wau-Wau“, und das ist auch völlig in Ordnung!

Seit geraumer Zeit entdecke ich immer wieder Artikel, in denen über die Babysprache hergezogen wird, Eltern dafür verurteilt werden und ihnen sogar dringend geraten wird dies tunlichst zu unterlassen. Manche gehen sogar soweit, dass sie sich wahnsinnig darüber aufregen, dass Eltern ihren Kindern damit vermeintlich die Sprachkompetenz und Intelligenz absprechen und ihrem Kind die Chance auf eine vernünftige Sprachentwicklung nehmen.

„Das ist ein HUND, der MACHT `wau-wau´ und heißt NICHT so!“ Kennt Ihr solche Sätze?

Ich für meinen Teil habe diesen Satz schon oft gehört. Denn bei meinen Kindern hieß der Hund in den ersten Jahren Wau-wau und es gab auf der Straße immer wieder Kommentare von Passanten dazu, wenn meine Kinder dieses Wort freudig in den Mund nahmen, sobald ein Vierbeiner schwanzwedelnd auf sie zukam. Und die Gesichter meiner Kinder, aus denen plötzlich alle Freude wich und sie dachten, sie hätten etwas falsch gemacht!

Mal abgesehen davon, dass es meine Erziehungsaufgabe ist, meinen Kindern die deutsche Sprache näher zu bringen, und nicht die von irgendwelchen wildfremden Personen (!), konnte ich noch nie nachvollziehen warum viele Leute diese Babysprache so furchtbar aufregt!

Ich bin Erzieherin und habe anschließend Sozialpädagogik studiert. Die theoretischen Grundlagen der kindlichen (Sprach)Entwicklung habe ich also – nicht nur einmal – intensiv durchgenommen. Weder in meiner Ausbildung noch während meines Studiums wurde mir vermittelt, dass es tunlichst zu unterlassen ist mit Baby´s und Kleinkindern in der Babysprache zu sprechen.

In der Erziehung meiner Kinder bin ich aber vor allem Mama. Und als Mama habe ich in den ersten Jahren nicht großartig über alles was ich tat nachgedacht, sondern habe intuitiv mit meinen Kindern interagiert.

Ich habe sie hochgenommen, wenn sie geweint haben. Ich habe sie getragen, wenn sie meine Nähe brauchten und ich habe sie in meinem Bett schlafen lassen (und tue es heute noch, wenn sie das brauchen!). Und genauso habe ich, ohne viel darüber nachzudenken, mit meinen Kindern gesprochen.

Beim Wickeln, beim Spielen, beim Anziehen und beim Spazierengehen. Dabei habe ich kurze Sätze verwendet, mit hoher Stimme gesprochen, Laute in die Länge gezogen und Worte wie „Wau-Wau“, „Babab“ und „Aa“ benutzt!

Es ist noch nicht lange her, da galten das bedürfnisorientierte Stillen, das Tragen und das Familienbett als Verhätschelung und waren verpönt. Muttermilch hatte zu viele Keime und das Schreien kräftigte die Lungen!

Alles, was Eltern intuitiv in der Erziehung gemacht haben, war in unserer Gesellschaft plötzlich ein Tabu und galt als schwach und inkonsequent!

Aber auch die Erziehungswissenschaften entwickeln sich weiter und die Erziehungsforschung und -theorien unterliegen einem stetigen Wandel und einem Trend, der auch durch den Lifestyle einer Gesellschaft geprägt wird.

Gott sei Dank ist es heute wieder „modern“ seine Kinder zunehmend bedürfnisorientiert zu erziehen – und damit meine ich jetzt nicht `lasst sie machen, was sie wollen`, `setzt keine Grenzen`und `mein Kind ist ein gleichberechtigter Partner`, das sind ganz andere Themen!

Damit meine ich, dass wir endlich wieder soweit sind als Eltern mit gutem Gewissen auf unsere Intuition zu hören und unseren Kinder die Chance zu geben „natürlich“ aufzuwachsen.

Und genau so ist es auch mit der Babysprache! Warum wohl liegt es in unserer Natur mit kleinen Kindern anders zu sprechen, als mit größeren und Erwachsenen? Wie kommt es, dass in vielen Familien, die sich überhaupt nicht kennen, der Hund plötzlich zum Wau-Wau wird? Und wie kommt es, dass ALLE Erwachsenen wissen, dass es sich dabei um einen Hund handelt, auch wenn ihre Eltern damals Wau-Wau gesagt haben?

Die Ansicht, dass Babysprache die Sprachentwicklung hemmt, ist genauso veraltet wie das Stillen nach Zeitplan! Das Zicklein und das Böckchen sind hierfür der beste Beweis.

Besonders das Zicklein. Sie hat schon früh angefangen zu sprechen und sprachliche Zusammenhänge richtig in Beziehung zu bringen. Bereits in der Krippe wurden wir von den Erzieherinnen gefragt, ob ich in der Schwangerschaft irgendwas genommen habe, das ihre Sprachentwicklung so enorm vorangetrieben hat. Und bis heute wird ihr ein hoher Wortschatz und eine einwandfreie Grammatik von Erwachsenen bescheinigt.

Und soll ich Euch verraten was Ihr erstes Wort war?! „Wau-Wau!“

Ich persönlich kenne viele, die als Kind bei ihren Eltern im Bett schlafen durften und bei denen der Hund am Anfang Wau-wau hieß. Und keiner von ihnen schlief mit 12, 15 oder 18 noch im Elternbett oder wusste nicht, dass der Hund Hund heißt! Auch das Böckchen sagt mit 2,5 Jahren noch Wau-Wau. Wenn ich ihn aber frage, wo der Hund im Bilderbuch ist, weiß er ganz genau wen ich meine!

In der deutschen Sprache gibt es Million Synonyme und Fremdworte. Ein großer und vielfältiger Wortschatz kommt durch den liebevollen Umgang und den kreativen Gebrauch der Sprache zustande. Durch die Babysprache werden Vokale auseinandergezogen und wichtige Worte anders betont, was für den Spracherwerb und die Stimulation bei Baby´s enorm wichtig ist.

Fazit:

Die Natur hat uns mit allem ausgestattet, was wir zur Förderung einer gesunden Entwicklung unserer Baby´s brauchen! Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien sind nicht in Stein gemeißelt, sondern abhängig von verschiedenen Faktoren, die unter anderen Forschungsschwerpunkten und Bedingungen andere Ergebnisse hervorbringen können. Und nicht zuletzt gibt es in den Sozialwissenschaften zwar vorherrschende Meinungen und Theorien, aber niemals Pauschalantworten, denn wir sind alle Individuen, die sich nicht in das Schema F quetschen lassen.

Daher mein Plädoyer an alle Eltern: Hört auf Eure Intuition und lasst Eure Kinder Kinder sein! Wenn Ihr mit Euren Kindern in quietschigem Ton und mit vereinfachten und vokalreichen Worten sprechen wollt, dann tut das! Wenn es sich für Euch falsch und unangenehm, so wie vielleicht auch das Familienbett, anfühlt, dann lasst es! Das einzig wichtige ist hier, wie so oft in der Erziehung, dass Ihr in Eurem Tun authentisch seid und voll und ganz dahinter steht. Und das Ihr so oft Ihr könnt mit Eurem Baby sprecht. Das sind die besten Bedingungen für einen guten Spracherwerb!

Und bitte, bitte, verkneift Euch solche Sätze wie: „Das ist ein HUND! Der MACHT wau-wau!“, denn niemand braucht Klugscheißer, die meinen, ihre Vorstellung von guter Erziehung wäre die einzig richtige 😉 (siehe dazu auch „Die 5 nervigsten Sätze, die Du zu jungen Eltern sagen kannst!“)

Und wer immer noch nicht überzeugt ist, dem lege ich den Artikel und das Video von Wunderweib.de ans Herz: KLICK!

Liebe Grüße

Eure Lotti

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7 comments on “Bei uns heißt es Wau-Wau! Warum Babysprache die Sprachentwicklung fördert!

  1. Jenny on said:

    Sehr schön geschrieben: )

  2. Toller Beitrag, ich danke dir für deine wahren Worte. Ich kann dein Fazit so auch unterschreiben!
    Liebe Grüße Melanie

  3. Toller Beitrag! Unser Kuscheltier Hund heißt „Wauwau“ und es wird auch so bleiben. Ich fand es sogar immer ein wenig schade, wenn die Kinder von allein aufgehört haben so zu reden, aber sie müssen ja auch größer werden. Pech für Mama 😂
    LG
    Natalia

    • 😀 Genauso geht es mir auch! Ich liebe das Wort „Wau-Wau“ und finde es einfach zuckersüß!
      Ich tröste mich einfach damit, dass ich später mal meinen Enkeln die Wau-Waus zeigen kann 😉

      Liebe Grüße
      Lotti

  4. Vielen lieben Dank noch einmal.
    Auch mein Bericht ist nun online und enthält alle Links zu den Beiträgen <3
    Ich wünsche dir und deiner Familie ein tolles Wochenende!

    http://www.lalemie.de/2017/06/und-so-erziehen-wir-nanu-wie-erziehst.html
    Ganz liebe Grüße Melanie von Lalemie