Fremdverliebt – im Wirrwarr der Gefühle! Eine Mutter berichtet!


Gastartikel

Ich lernte Julia* vor einigen Monaten in einem Elternforum kennen, in dem sie ganz offen über die schwerste Zeit in ihrem Leben berichtete.

Julia ist glücklich verheiratet und Mama von zwei kleinen Söhnen, als sie sich plötzlich und völlig unerwartet in einen anderen Mann verliebt! Wie sehr sie dies quälte, welche Lösung sie für sich gefunden hat und wie sich ihr Leben seit her entwickelte, erzählt sie uns heute in einem sehr persönlichen Gastartikel.

Liebe Julia, vielen Dank für Deinen Mut und Deine offenen Worte!

Fremdverliebt!

Ich war mir immer sicher: Eine Affäre kann nur entstehen, wenn die Beziehung eigentlich schon zum Scheitern verurteilt ist! Wer glücklich ist und seinen Partner liebt, der würde sich auch nie in einen anderen Menschen verlieben.

Ich liebte meinen Mann – schon immer. Seit des Studiums waren wir ein Paar. Mit 28 heiratete ich ihn, kurz darauf erwarteten wir unseren ersten Sohn. Wir kauften uns ein schönes Haus, hatten gute Jobs, waren glücklich! 2 Jahre später kam unser zweiter Sohn zur Welt und nun schien unser Glück perfekt. Das erste Babyjahr war zwar unheimlich anstrengend und kräftezehrend, dennoch waren mein Mann und ich uns in dieser Zeit so nah, wie nie zuvor.

Wir standen alles gemeinsam durch: die anstrengende und furchtbare Geburt, die ewigen Koliken, die Pseudokrupp-Anfälle. Die gemeinsame Sorge um unser Kind schweißte uns nur noch enger zusammen.

Wie oft schon hatte ich Freundinnen und Bekannte heimlich verurteilt, weil sie trotz fester Beziehung und Kindern eine Affäre begannen und bereits bei den kleinsten Problemen an ihren Beziehungen zweifelten, anstatt daran zu arbeiten oder wenigstens konsequent zu sein und sich zu trennen! Ich war mir sicher: uns würde das nicht passieren! Unsere Beziehung hatte schon so viele Höhen und Tiefen überlebt.

Dann kam der erste Tag auf meiner neuen Arbeitsstelle …

Dennis* kam 10 Minuten zu spät in die Teamsitzung geplatzt, in der ich gerade dabei war mich den neuen Kollegen vorzustellen. Und er nahm den Raum sofort für sich ein. Normalerweise hätte man wohl eine Entschuldigung oder zumindest eine lahme Ausrede erwartet, wenn jemand zu spät zu einem Termin auftaucht. Doch Dennis blieb ganz locker, machte einen frechen Spruch und setzte sich ganz selbstverständlich dazu. Es hätte nur noch gefehlt, dass er sich zurückgelehnt und die Füße auf den Tisch gepackt hätte.

Ganz offensichtlich genoss er im Team einen guten Stand. Und mir wurde auch schnell klar, wieso. Er schäkerte ganz offen und freimütig mit den Kolleginnen. Was er auch sagte, er setzte dabei stets ein freches Lausbubenlächeln auf und zwinkerte ihnen zu.

Obgleich ich diese Art und Weise alles andere als angemessen fand, musste ich doch zugeben, dass Dennis unheimlich gut aussah und auch auf mich sofort eine anziehende Wirkung hatte. Er war groß, sportlich, dunkelhaarig und sehr maskulin. Genau mein Typ.

Ich schenkte diesen Gedanken jedoch keine weitere Aufmerksamkeit und konzentrierte mich auf meinen Job. Natürlich bemerkte ich den kurzen Anflug von Schmetterlingen in meinem Bauch, wenn Dennis mit mir flirtete. Das waren allerdings nur kurze Momente und Gefühle, die ich schnell wieder bei Seite schob.

Bis ich eines Nachts von ihm träumte …

In meinem Traum kam Dennis mir im Büro ganz nah. Unsere Blicke trafen sich, ich spürte seine warmen Hände an meiner Taille und dann küssten wir uns – ganz vorsichtig.

Ich erwachte mit einem unglaublichen Glücksgefühl und einer riesigen Vorfreude auf den Tag. Als mir jedoch bewusst wurde warum, hätte ich mich am liebsten sofort wieder im Bett verkrochen.

Auf der Arbeit versuchte ich Dennis so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich ihn heimlich und bewunderte ihn aus der Ferne. Mir fiel auf, wie sexy er in seinem T-Shirt aussah, wie groß und stark seine Hände waren, wie gut er roch … !

Dennis schien irritiert von meiner Distanz. Wir hatten uns vorher gut verstanden und auf einmal trat zwischen uns ein peinliches Schweigen auf, sobald wir allein im Raum waren.

Irgendwann stellte er mich schließlich zur Rede und fragte, was mit mir los sei …

Ich wusste nicht, was ich erwidern sollte, und gestand ihm schließlich meine Gefühle und das ich ständig an ihn denken musste. Die Anspannung und das schlechte Gewissen  gegenüber meinem Mann trieben mir die Tränen in die Augen. Dennis nahm mich tröstend in den Arm und gestand auch mir, etwas für mich zu empfinden.

Von diesem Moment an war alles anders! Tagsüber, auf der Arbeit, nutze ich jede Gelegenheit um Dennis nah zu sein, ihn zu berühren, für einen kurzen Moment in seinen Armen zu liegen. Schließlich kam es zu ersten, leidenschaftlichen Küssen.

Zuhause dagegen wurde ich immer übellauniger. Den Anblick meines Mannes konnte ich kaum noch ertragen. Ich liebte ihn so sehr, aber ganz anders als Dennis. Auf ihn konnte ich mich verlassen, er war mein Fels, er war immer da. Mit Dennis war alles neu, spannend, elektrisierend … Sein Körper war neu für mich, seine Berührungen verursachten ein aufregendes Kribbeln. Er war so aufmerksam und schmeichelte mir, wann immer er konnte.

Mein Mann merkte bald, dass meine schlechte Laune und meine Traurigkeit nicht nur vorübergehend waren. Abends weinte ich, wenn ich meine Jungs ins Bett brachte. Ich hatte unheimliche Angst um meine Familie! Gleichzeitig konnte ich meinen Wunsch, auch eine Nacht mit Dennis zu verbringen, nicht mehr leugnen. Irgendwann konnte ich den Fragen meines Mannes nicht mehr ausweichen, seine Sorge um mich nicht mehr ertragen.

Ich traf eine Entscheidung …

Die schwerste Entscheidung meines Lebens! Ich kündigte noch während der Probezeit und zog mich komplett zurück. Ich schloss Dennis von einem Tag auf den anderen aus meinem Leben aus. Keine Treffen, keine Telefonate, keine SMS … ich antwortete nicht auf seine unzähligen Kontaktversuche. Und fiel in eine tiefe Depression … !

Ich hatte gehofft, Dennis nicht mehr zu sehen, würde es leichter machen. Aber das stimmte nicht. Ich musste ständig an ihn denken, weinte viel und ließ meinen Mann überhaupt nicht mehr an mich heran. Das einzige, was mir in dieser Zeit über meine Traurigkeit und meine Sehnsucht hinweghalf, waren meine Kinder, die nicht verstanden, was mit mir los war, und die mich brauchten!

Dennoch konnte ich nicht leugnen, dass Dennis mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Irgendwann war ich so fertig, dass ich mit meinem Mann über alles redete. Das war knapp 4 Monate, nachdem ich gekündigt hatte.

Mein Mann reagierte extrem heftig! Mit einer Affäre hatte er nicht gerechnet. Er war massiv verletzt – so hatte ich ihn bisher noch nicht erlebt.

8 Wochen lang lebten wir nebeneinander her, ohne darüber zu sprechen. Mein schlechtes Gewissen brachte mich fast um. Das alles hatte mein Mann nicht verdient und ich war nicht stark genug, ihn vor dieser Erfahrung zu schützen. Ich war egoistisch und hatte mich nicht im Griff. Und das Schlimmste war – ich war auch jetzt noch so. Obwohl ich es aufrichtig bereute, vermisste ich Dennis immer noch. Und ich vermisste meine Ehe und wie sie einmal war.

Ich wollte meinen Mann unbedingt wieder glücklich machen, gleichzeitig war ich unendlich traurig …

Ich war hin und her gerissen zwischen zwei Männern, die ich beide liebte!

Schließlich traf mein Mann die Entscheidung, zu der ich nicht in der Lage war. Er entschied sich, obwohl auch er mich noch liebte, unsere Beziehung zu beenden. Mit der Demütigung und dem Vertrauensbruch konnte und wollte er einfach nicht leben! Ich verstand ihn und wäre am liebsten gestorben.

Und dann begann die schlimmste Zeit meines Lebens! Dieses Mal in der Trauer um meine Ehe und meine Familie. Es war ein schreckliches Gefühl, den Mann, der jahrelang an meiner Seite lebte, mein engster Vertrauter und bester Freund war, nicht mehr jeden Tag zu sehen und mit ihm über alles reden zu können.

Mein Mann und ich schafften es, uns im Guten voneinander zu trennen. Will sagen, wir schafften es uns ohne Rosenkrieg zu trennen und auch später gemeinsam in einem Raum zu sein und ein vernünftiges Gespräch miteinander zu führen.

Bis heute rechne ich meinem Ex-Mann das sehr hoch an.

Mittlerweile sind wir also geschieden. Unsere Trennung liegt jetzt fast 3 Jahre zurück. Mein Ex-Mann lebt seit einigen Monaten glücklich in einer neuen Partnerschaft. Wir verstehen uns nach wie vor sehr gut. Unsere Jungs leben seit der Trennung im Wechselmodel – 1 Woche bei mir, 1 Woche bei ihm. Ich finde es furchtbar, sie so lange Zeit nicht zu sehen! Gleichzeitig freut es mich, dass sie sowohl Zeit mit mir, als auch mit ihrem Vater verbringen können.

Dennis habe ich nie wieder gesehen. Eine Beziehung mit ihm wäre mir falsch vorgekommen und ich hätte die ständigen Gedanken an meinen Mann nicht ertragen. Auch jetzt liebe ich sie noch beide, wobei die Gefühle für Dennis durch die rigorose Trennung abgenommen haben.

Für eine neue Beziehung bin ich dennoch noch nicht bereit. Ich trauere noch um das, was ich alles verloren habe.

Und doch sehe ich auch, was ich gewonnen habe: Die Erkenntnis, dass es möglich ist mehrere Menschen aufrichtig zu lieben. Das Wissen, dass eine Familie immer eine Familie bleiben wird – auch, wenn nicht mehr alle unter einem Dach leben –  und alles überleben kann, wenn man nur will!

Und das Wissen, dass man andere Menschen nicht vorschnell verurteilen sollte, wenn man selbst noch nicht in deren Situation war!

Niemand ist davor gefeit einen Fehler zu machen oder sich plötzlich und unerwartete in einen anderen Menschen zu verlieben!

Julia

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*Name wurde geändert

**Alle verwendeten Bilder in diesem Artikel sind Lizenz frei und stammen von pixabay

 

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8 comments on “Fremdverliebt – im Wirrwarr der Gefühle! Eine Mutter berichtet!

  1. Boah, wow! Was für ein Text! Danke Julia für deine Offenheit! Ich bin gerade extrem überwältigt… Es klingt wie in einem Rosamunde Pilcher Roman, aber das Happy End fehlt. 😢 Wahnsinn, was du durchgemacht hast, wie viel du geopfert und verloren hast! Ich wünsche dir nur das Beste und vor allem: Eine neue Liebe und ganz viel Glück!
    Gruß
    Sylvi

  2. Cili on said:

    Wou.. Das ist wirklich mutig. Sowohl, dass du die Geschichte mit uns teilst, als auch die Entscheidungen, die du für dich getroffen hast!

    Hut ab!

  3. Ganz genau, niemand ist davor gefeit, sich in jemand anderen zu verlieben! Schade, dass dein Mann und du es nicht geschafft haben, damit umzugehen und trotzdem zusammen zu bleiben. Denn auch das ist möglich.
    LG, Micha

  4. Ich hätte dich genauso in den Wind geschossen. Jeder verliebt sich mal irgendwohin, klar. Aber nicht jeder nimmt jede Chance, nur weil sich etwas ergibt.

  5. Nicole on said:

    Liebe Julia. Was für eine traurige Geschichte. Schön finde ich aber deine Erkenntnis: man kann auch mehr als einen Menschen von Herzen lieben. Meiner Erfahrung nach nimmt man sogar niemandem etwas weg und mit Offenheit und Vertrauen sind auch Konstrukte jenseits des Üblichen möglich. Wir sind inzwischen eine grosse Dreifachfamilie und genießen es. Schade dass die Lieben bei dir ihren Weg nicht finden konnten.

  6. Pippa on said:

    Ich kenne diese Situation nur zu gut. Seit 2,5 Jahre quäle ich mich ähnlich mit zwei Männer im Kopf und im Herzen. Ausgesucht hat man sich sowas nie…
    Es geschieht nichts ohne Grund – es kommen auch wieder bessere Zeiten! Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Frieden mit allem machen kannst!

  7. Julia on said:

    Schade, dass die Geschichte so für Dich gelaufen ist. Ich konnte zwar nicht heraus lesen, ob Du mit „Dennis“ auch die ersehnte Nacht verbracht hast oder nicht, aber so hat sich die Aussprache mit Deinem Mann ja quasi gar nicht „gelohnt“. Ich glaube, wenn ich in Deiner Situation gewesen wäre und schon den Job gekündigt hätte und somit den Kontakt zu „Dennis“ freiwillig abgebrochen hätte, dass hätte ich um den Ehemann gekämpft. Das war ja quasi die Entscheidung gegen die Affäre. Und so wie ich es verstanden habe, war es auch nur Knutschen. Ich finde es schade, dass Deine Ehrlichkeit nichts gebracht hatte. Ich denke, dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn man für jemanden außerhalb der Ehe schwärmt und von ihm träumt, solange daraus nichts ernstes wird. Ich träume auch mal von einem Sänger oder Schauspieler, aber da weiß ich, dass die unerreichbar sind. Dass man sich in jemand anderen verliebt, und den Ehemann auch über alles liebt, kann ich persönlich nicht nachvollziehen. In meiner Ehe kriselt es schon: Der Alltag, die Kinder, kaum noch Nähe und Erotik, keine Zeit füreinander. Aber wenn man den Ehemann liebt, dann schaut man sich ja eigentlich kaum um und das Flirten mit Dennis hätte ich genossen, aber darin nichts Ernstes gesehen. Aber hätte hätte Farhrradkette. Dir weiterhin viel Glück in der Liebe. Und doch etwas fies, dass die Männer da immer schneller neue Frauen finden. Ich wäre da schon etwas eifersüchtig, vor allem, wenn die Männer Kinder mit der neuen Partnerin kriegen.

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