Fit für die Schule? – Das Vorschuljahr als Aufholjagt (oder Frühstart?)


Gastartikel

Seit diesem Jahr ist das Zicklein offiziell ein Vorschulkind! Und obwohl der eigentliche Schuleintritt noch in weiter Ferne liegt, fokussiert sich bereits jetzt schon alles darauf. Im Kindergarten hat sie nun „Vorschulunterricht“, in dem verschiedene Fertigkeiten geübt werden, sie muss im Alltag mehr Pflichten übernehmen und bekommt mehr Verantwortung. Wir Eltern wurden bereits für den kommenden Monat zu einer Infoveranstaltung in die Schule eingeladen und haben gleich mehrere Listen erhalten, auf denen aufgeführt ist, was das Zicklein bis spätestens nächsten Sommer alles beherrschen sollte. Hui, ein ganz schönes Programm! Und obwohl weder die Kita noch die Schule direkten Druck ausüben, erwische ich mich bereits dabei kritisch mein Kind zu beäugen und zu prüfen, wo es noch hakt und was wir unbedingt noch vor der Schuleingangsuntersuchung angehen sollten!

Doch was genau ist wirklich wichtig für ein werdendes Schulkind? Und sollte ich tatsächlich schon damit beginnen, den Schulalltag nach Hause zu holen? Mit diesen Themen beschäftigt sich der heutige Gastartikel von der lieben Kathrin und ihrem Blog Kinderbilden (Link am Ende des Artikels)! Ein toller Artikel mit vielen praktischen Tipps und Tricks, für ein gelungenes Vorschuljahr.

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß damit!

Die letzten Einschulungsfeiern sind vorbei… und das heißt: Es gibt auch wieder neue Vorschüler. Die „Großen“ im Kindergarten fühlen sich jetzt noch größer und für die Eltern beginnt die Zeit, sich mit der Schule auseinander zu setzten.

Was kommt auf uns zu? Was wird sich alles verändern? In welche Schule schicken wir unser Kind? Ist es überhaupt schon fit für die Schule?

Es gibt Aspekte die zeigen, dass Kindergarten und Schule gar nicht so verschieden sind. Im Kindergarten wird immer mehr auf die Selbstständigkeit der Kinder geachtet (zumindest in den meisten) und viele Lehrer erinnern sich daran, dass Kinder durch Spielen lernen.

Trotzdem – es klaffen auch riesige Lücken. Schluss ist mit der Selbstentscheidung, was gelernt wird. Und von unterschiedlichen Lerntypen und -geschwindigkeiten haben viele entweder noch nicht gehört, oder – und ich nehme an, dass das viel häufiger der Fall ist – sind durch Lehrplan und Zeitdruck so in eine Maschinerie gepresst, dass dafür keine Zeit bleibt.

Ich könnte mich in diesem Thema verzetteln, deshalb gehen wir doch besser zum eigentlichen Thema über:

Kann ich mein Kind denn auf die Schule vorbereiten? Und wenn ja, wie?

Die Antwort ist nicht so einfach, schließlich weiß man ja nicht was kommt. Aber ich bin der Meinung: Ja! Ja, man kann sein Kind auf die Schule vorbereiten. Und das tut man ab dem Zeitpunkt der Geburt. Und das ist nicht überspitzt gemeint. Das Kind lernt soziale Fähigkeiten, lernt zu kommunizieren, seine Gedanken mitzuteilen, es bewegt sich fort,…

Ohne diese Fähigkeiten müsste man gar nicht an Schule denken.

Die Schulvorbereitung sollte sich also nicht nur auf das letzte Kindergartenjahr beschränken. Aber einige Themen, die besonders im letzten Kindergartenjahr eine Rolle spielen gibt es natürlich trotzdem.

Selbstständigkeit

Selbständigkeit ist ein Thema, das manche in diesem Jahr besonders angehen sollten, andere aber einfach überspringen, weil ihr Kind diese Selbständigkeit bereits an den Tag legt. Das kommt darauf an, wie viel dein Kind bisher schon helfen durfte/musste und du ihm zugetraut hast.

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Einige Ideen, wie du die Selbständigkeit fördern kannst, habe ich hier aufgelistet:

  • Vesperdose aus dem Kindergarten-Rucksack in die Küche bringen
  • morgens den Rucksack selbst packen (und was nicht dabei ist, ist eben nicht dabei!)
  • selbst Kleider rauslegen (auch wenn man vielleicht etwas fröstelt)
  • kleine Haushaltstätigkeiten wie Müll rausbringen, Tisch decken, evtl. etwas Kleines kochen

Und durch diese Dinge gewinnt das Kind nicht nur an Selbstständigkeit, sondern auch an Selbstbewusstsein. Das Gefühl „ICH KANN DAS!“ ist unschlagbar.

Ein weiterer Punkt, der besonders im Vorschulalter in den Fokus rückt, ist der Straßenverkehr. Wie verhalte ich mich an einer (großen) Straße? Worauf muss ich achten? Wie komme ich sicher auf die andere Straßenseite? Also Schuhe an und ab ins Getümmel. Und nicht ins Auto. Denn gegen Ende des (Vor-)Schuljahres heißt es dann: Schulweg üben!

Grob- und Feinmotorik

Auch die Schulung der Motorik beginnt nicht mit einem Alter von 5 Jahren. Denn da können die meisten schon sehr detailliert malen und haben sich eine gewisse Stifthaltung angewöhnt. Die gilt es nun zu kontrollieren und bei Bedarf etwas zu korrigieren. Ist die Hand nämlich zu verkrampft, wird das mit dem Spaß am Schreiben wohl nichts…

Aber auch Papier reißen und schneiden, sowie falten, Bilder ausmalen oder weben erfordern Feinmotorik und eignen sich so super zum trainieren.

Wenn du Ideen suchst, kannst du dich ja mal auf meinen Pinterest-Boards (Kommunikation / ästhetische Bildung – Kunst / Motorik und Gesundheit) umschauen. Da habe ich einige Bastelideen und ähnliches gesammelt. (Link: https://de.pinterest.com/kinderbilden/)

Unter Grobmotorik fallen so Dinge wie balancieren, auf beiden und auf einem Bein hüpfen oder auch der Hampelmann. Denn hier kommt zusätzlich noch die Koordination ins Spiel. Arme und Beine gleichzeitig, aber verschiedene Bewegungen. Das ist schwerer als es aussieht.

Für manche Kinder ist das Vorschuljahr auch das Jahr des Radfahren-Lernens. Wenn dein Kind sich also bisher noch nicht damit beschäftigt hat, wäre das vielleicht eine Idee.

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Genauso steht es mit dem Schleife-Binden. Denn wenn es in nächster Zeit Schnürschuhe geben soll (oder bisher immer gegeben hat) müssen diese alleine an- und ausgezogen werden können. Der Sportlehrer wird das wohl kaum tun.

Geduld, Durchhaltevermögen und kognitive Fähigkeiten

Das typische „Stillsitzen“ würde ich nicht üben. Wer sitzt schon gerne am Tisch und macht irgendeine super langweilige Aufgabe…

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Ich bin der Meinung, dass man dem Kind hier entgegenkommen kann, wenn man sich anschaut, womit es spielt. Welches Thema beschäftigt es? Polizei? Reiterhof? Hexen? Autos? Egal was es ist, bestimmt lässt sich ein Puzzle, ein Malbuch, eine Bastelidee oder ein Vorlesebuch zum Thema finden. Und wenn man es richtig anstellt, sitzt das Kind plötzlich gebannt auf einer Stelle und ist nicht mehr weg zu bekommen…

Geduld sollte auch noch an anderer Stelle geübt werden. Und zwar immer dann, wenn dein Kind jetzt sofort und überhaupt etwas braucht, obwohl man selbst gerade die Milch vor dem Überkochen bewahrt, zum Telefon rennt, oder auf der Toilette sitzt. Auch wenn das schon jüngere Kinder lernen sollten, warten zu können muss spätestens jetzt gelernt werden.

Die kognitiven Fähigkeiten spielen eigentlich in allen hier erwähnten Teilbereichen eine Rolle. In der Selbständigkeit muss man erst verstehen, was von einem erwartet wird, das Schleife-Binden erfordert höchste Konzentration und auch beim Puzzeln muss man das unfertige Bild irgendwie schon fertig im Kopf haben.

Mit Merkspielen können diese Fähigkeiten aber noch weiter ausgebaut werden. So eignen sich Memory oder „Ich packe meinen Koffer…“ genauso gut wie KIM-Spiele oder Quatschwörter, die nachgesprochen werden müssen. Letzteres ist übrigens oft Teil der Einschulungsuntersuchung.

Vorsprung in der Schule

Viele Schulen sehen es nicht gerne, wenn die Kinder bei der Einschulung schon die Buchstaben kennen, einfache Worte entziffern oder gar ohne Probleme im Zahlenraum bis 10 rechnen. Das ist verständlich, denn schließlich sollen sie das in der ersten Klasse lernen. Und zwar gemeinsam. Da ist es nicht hilfreich, wenn zwei oder drei Kinder alles schon können und sich schlimmsten Falls nicht nur langweilen, sondern die anderen stören.

Aber heißt das, dass auf den Wissensdurst im Kindergarten-Alter eine Durststrecke im Vorschuljahr folgen soll?

Ich finde nein. Wenn ein Kind sich für etwas interessiert, soll es lernen dürfen. Alles andere ist contra-produktiv. Aber bitte zwinge deinem Kind keine Lernheftchen oder ähnliches auf. Auch wenn es nur bis 10 zählen kann und seinen Namen noch in Spiegelschrift schreibt, wird es in der ersten Klasse mitkommen.

Eine weitere Möglichkeit, deinem Kind das Lernen in der Schule zu erleichtern ist es, Vorkenntnisse zu schaffen, die so in der Schule nicht gelehrt werden. Das gibt einen Vorsprung, ohne das sich das Kind später langweilt.

Vorkenntnisse in Mathe

Auf meinem Blog habe ich einen Artikel (https://kinderbilden.com/2016/05/09/zig-beispiele-der-mathematik-fuer-vorschulkinder/) veröffentlich, der eine Vielzahl an Ideen aufzählt, wie man im Vorschulalter mathematische Fähigkeiten schulen kann. Wenn dich dieser Teil interessiert, kannst du gerne mal vorbei schauen.

vorschule-mathe

Trotzdem möchte ich auch hier einige Ideen aufzählen:

  • Größen und Gewichte vergleichen oder messen
  • Muster legen und erkennen
  • Strukturen, wie beispielsweise die Augenzahl der Würfen, erkennen. Diese werden nämlich irgendwann nicht mehr gezählt, sondern auf einmal erfasst. (Stichwort: Simultanerfassung)
  • Formen kennen und benennen
  • mit Symmetrie spielen
  • Kinder im Laden bezahlen lassen

Wenn du mit offenen Augen durch den Alltag gehst, werden dir sicher noch mehr „mathematische Ideen“ kommen.

Vorsprung in Deutsch

Zuerst: Bitte bring deinem Kind nicht das ABC-Lied bei. Das Kind hat es vermutlich eh schon irgendwo gehört, aber das Lied hilft einfach nichts und macht das Schreiben-/Lesenlernen nur unnötig schwer. Denn was ist bitte ein „FAU-OH-GE-E-EL“?

Da hilft es deinem Kind viel mehr, wenn du die Laute der unterschiedlichen Buchstaben benennst. „Schau, da vorne ist ein L“ und nicht „Schau, da vorne ist ein EL“.

Die phonologische Bewusstheit zu fördern hilft Kindern beim Lesen und Schreiben lernen ungemein. Und sie kann so leicht geschult werden.

  • Worte mit gleichem Anlaut finden (Ampel, Apfel, Ananas, aber nicht Auto)
  • Reime vollenden oder Reimwörter finden (Turm-Wurm) z.B. mit den Bildkarten von „Eltern vom Mars“ (Link: http://www.elternvommars.com/2016/06/5-unserer-kartenmaterialien-zum.html)
  • Gedichte sprechen (hier sind nicht nur Reime, sondern auch Sprachrhythmus, Sprachmelodie und Merkfähigkeit gefragt)
  • Silben klatschen oder für jede Silbe einen Schritt gehen
  • mit Zusammengesetzten Worten spielen (entweder mit Bildkarten, oder als Wortwurm)

Wem das noch nicht reicht, kann sich auch an die einzelnen Buchstaben machen. In verschiedenen Zeitungen kann nach großen Buchstaben gesucht werden. Wenn das Kind sie dann ausschneidet, sortiert und immer entsprechend aufklebt, entstehen nicht nur tolle Buchstaben-Collagen, sondern ganz nebenbei wird auch die Feinmotorik ein weiteres Mal geschult.

Zum Schluss habe ich noch einen Tipp an all die Eltern, deren Kinder bereits jetzt schon kleine Bücherwürmer sind. Denn eine ganz besondere Art der Erstleser-Bücher finde ich auch schon für Jüngere geeignet: „Lesebilderbuch“ oder „Bild-Wörter-Geschichte“ sind hier die Schlagwörter. Denn während (Groß)Eltern die Geschichte vorlesen, dürfen die Kinder immer das Wort sagen, das als Bild dargestellt ist. Vorlesen wird so interaktiv.

Der Artikel ist lang geworden, aber meine Ideen, wie man mit Kindern spielerisch lernen kann werden einfach nicht weniger. Deshalb habe ich schließlich meinen Blog www.kinderbilden.com ins Leben gerufen. Wenn du also noch mehr von mir lesen möchtest, begrüße ich dich dort recht herzlich!

Liebe Grüße

und vielen Dank nochmal an Lotti, dass ich meinen Artikel hier veröffentlichen durfte.

Kathrin

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6 comments on “Fit für die Schule? – Das Vorschuljahr als Aufholjagt (oder Frühstart?)

  1. Liebe Kathrin, liebe Lotti,

    schön, dass ihr euch dem Thema angenommen habt, auch wenn ich der Meinung bin (aus Erfahrung), dass Eltern in den allermeisten Fällen völlig gelassen bleiben können, denn die meisten Kinder sind durch den ganz normalen, liebevollen Umgang mit ihnen und die Einbindung in den Alltag schon optimal vorbereitet! Toll finde ich auch, dass ihr ansprecht, dass Buchstaben und die Zahlen bis sonst wohin kennen, nicht Vorschulbildung ist. Man sollte der Schule aus mehreren Gründen nicht vorgreifen, zum einen weiß man nicht nach welchen Methoden gelehrt wird und zum anderen wird den Kindern sonst schnell langweilig in der Schule und sie verpassen eventuell irgendwann den Anschluss… Also cool bleiben und auf eure Erziehung vertrauen! In den meisten Fällen reicht das völlig! Und: Ihr werdet merken im Frühsommet, kurz vor dem Schulstart, hat sich euer Kind im Vergleich zum heutigen Tag total weiterentwickelt. Die Kinder machen noch einmal enorme Entwicklungssprünge…
    Gruß
    Sylvi

    • zickleinLotti on said:

      Liebe Sylvi,

      vielen Dank fürs Teilen Deiner Erfahrungen! Ich bin ja auch immer der Meinung, dass sich vieles durch eine liebevolle Erziehung von selbst ergibt. Allerdings ist es wirklich nicht immer einfach, sich dem Druck von Schuleingangsuntersuchungen und Vorsorgeuntersuchungen zu entziehen 🙂 Daher finde ich es auch so schön, dass Kathrin hier ganz klar anspricht, dass man sich im Vorschuljahr nicht so einen Stress machen sollte, da man sein Kind von Geburt an auf die Schule und das Leben vorbereitet. Ganz automatisch – ohne gezielte Übungen. Und das der Alltag die besten und natürlichsten Lernerfahrungen bereit hält (wie zB im Haushalt zu helfen, draußen zu spielen und Fahrrad zu fahren etc.)

      Es tut aber auch gut von einer erfahrenen Mama zu hören, dass der Stress wirklich unnötig ist 🙂

      GLG Lotti

  2. Danke Lotti für die Platform, die du mir gegeben hast.
    Ich hatte echt viel Spaß beim Schreiben.

    Lieben Gruß
    Kathrin

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